Jazz (nicht nur) für Einsteiger

Ich versprach ja, mich ein wenig mit dem Jazz und dem Zugang zu eben jenem zu beschäftigen. Das habe ich gemacht. Es gibt auch eine entsprechende Spotify Playlist für euch dazu. Hier habe ich einfach die mittlerweile etwas veränderte Jazz-Alben™-Liste genommen. Ursprünglich sollte sie ja die größten – was auch immer das ist – Jazz-Alben beinhalten, aber ich habe mittlerweile einfach meine Lieblingsalben gelistet. Die wiederum habe ich einfach genommen, weil ich glaube, dass ich über diese Alben am meisten erzählen kann. Ich möchte an dieser Stelle ein wenig erläutern, warum ich gerade dieses Album von diesem Künstler ausgesucht habe, und warum dieses vielleicht gerade für den Einstieg hübsch sein kann.

Miles Davis

Zwei Alben habe ich vom Großmeister des Jazz auserkoren. Miles Ahead und Kind of Blue (natürlich) sind es, die ich mehr als alles andere von ihm liebe. Und es gibt unfassbar viele großartige Alben von Miles Davis. Warum nun also gerade diese zwei? Und warum sollten ausgerechnet diese zwei für Einsteiger geeignet sein? Zum einen, weil Kind of Blue den einen Song enthält, den wirklich jeder kennt. ‚So What‘ heißt er.  Ich denke, gerade am Anfang ist es wichtig, dass die Songs einen Wiedererkennungswert haben. Das macht den Einstieg schon mal ’ne Ecke leichter, hoffe ich zumindest. Ok, ansonsten ist die Kind of Blue vielleicht etwas schwieriger. Miles Ahead auf der anderen Seite, hat einen unfassbar zugänglichen Sound und schicke Melodien. Übrigens hat auf diesem Album ein Herr namens Lee Konitz mitgespielt!

Für Einsteiger geeignet?

Kind of Blue: Zum Teil. Vor allem wegen des bekannten Songs ‚So What‘

Miles Ahead: Ja

Paul Desmond mit und ohne Dave Brubeck

Was soll ich nun zu Paul Desmond sagen? Er ist und bleibt mein Lieblingssaxophonist. Er hat in seinen Soli ganze Lieder geschrieben. Quasi Stücke in den Stücken. Er war in der Lage vom Blues, über Klezmerskalen, bzw. arabesquen Skalen, zum bachschen Kontrapunkt und von da wieder zurückzumodulieren. Und das alles in einem Solo. Damit wären wir auch schon beim ersten Album, welches ich für äußerst empfehlenswert halte, nämlich Jazz Impressions of Eurasia. Und hier besonders den Song ‚Brandenburg Gate‘. Hier zeigen Paul Desmond und Dave Brubeck mal so richtig was sie können. Genau dieser Song ist es, bei dem Paul Desmond genau das macht, was ich gerade angesprochen habe. Das Modulieren vom Blues über Klezmer (arabisch), klassischem Kontrapunkt und wieder zurück. Da möchte Brubeck natürlich nicht zurückstehen und ist ebenso in Höchstform. Auf dem Album Time Out geht es dann, was die Rhythmen angeht, ganz schön zur Sache. Aber keine Sorge, auch hier sorgen Eugene Wright, Joe Morello, Dave Brubeck und Paul Desmond für grandiose Melodien. Außerdem ist auf diesem Album immerhin ein Song wie ‚Take Five‘ drauf, da wären wir wieder bei den vertrauten Melodien die man kennt. Weiter geht’s mit Paul Desmond, diesmal allerdings mit Jim Hall. Auf dem Album Concierto spielen die beiden, zusammen mit Chat Baker eine Jazzversion des wunderbaren klassischen Werkes ‚Concierto de Aranjuez‚ ein. Wirklich wunderschön und wie ich meine sehr gut für Einsteiger geeignet. Bleiben wir ein wenig bei Chat Baker, der hat ein Album namens She Was Too Good to Me geklöppelt, und zwar – ihr ahnt es schon – richtig, mit Paul Desmond. Auch hier eingängiger, nicht allzu fordender Jazz. Ein wirklich schönes Album, im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Gerry Mulligan hat der gute Herr Desmond dann auch noch ein Album veröffentlicht, es heißt Two of a Mind. Die beiden konnten richtig gut miteinander, wie man so schön sagt, und das hört man auch. Großartige Kommunikation während der Soli. Man hört richtig, wie die beiden sich miteinander, mithilfe ihrer beiden Saxophone unterhalten. Wunderbar. Sicher, ein bisschen mehr zur Sache geht es hier schon manchmal, aber keine Sorge, auch hier steht die Melodie immer noch im Vordergrund.  Zu guter letzt geht’s noch einmal zurück zum Dave Brubeck Quartet. Es gab ein legendäres Konzert in der Carnegie Hall, und das Doppelalbum dieses Konzerts darf hier einfach nicht fehlen. At Carnegie Hall. Ein hübscher Querschnitt der klassischen Besetzung dieses Quartetts.

Für Einsteiger geeignet?

Jazz Impressions of Eurasia: Aber so was von

Time Out: Ja

Concierto: Ja

She Was Too Good to Me: Aber so was von

Two of a Mind: Zum Teil. Vor allem wegen Paul Desmond

At Carnegie Hall: Ja

Julian Adderley

Somethin‘ Else heißt das Album, was ich von Julian Adderley hier empfehlen möchte. Ein Vorausschauen auf Kind of Blue, wenn man so will. Und Miles Davis spielt auch mit auf diesem Album. Trotzdem ist es ein Julian-Adderley-Album: Dieser warme Sound, den er aus seinem Altsaxophon holte, war schon beeindruckend. Das ganze hat etwas schwebendes, etwas, was man am Anfang nur ahnt. Ein bisschen wie Debussy es in seinen Werken auch hat. Phantastisch. Übrigens der Song in dem verlinkten Video ist natürlich sein bekanntestes Stück, das ist aber nicht auf dem Album drauf. Zu dem Album mit diesem Song kommen wir an einer anderen Stelle. Ach so, natürlich spielt Julian Adderley zusammen mit John Coltrane auf dem Kind of Blue Album mit, ist doch klar.

Für Einsteiger geeignet?

Somethin‘ Else: Zum Teil. Vor allem wegen des ersten Songs.

Lee Konitz

Jetzt wird es tatsächlich schon um einiges schwieriger. Motion heißt das Album, und jetzt geht es schon richtig zur Sache. Vielleicht müssen hier einige erstmal dieses Album überspringen. Menschen sind da sehr unterschiedlich und was für den einen schon zu viel ist, ist für die andere noch lange kein Grund, dieses Album von Lee Konitz nicht zu hören. Herr Konitz gehört zu meinen absoluten Lieblingsmusikern, weil er einen Ton hat, der nie aufdringlich wird. Der kann mir den wildesten Freejazz um die Ohren hauen, das ermüdet mich nie. Und genau dieser Ton ist es, der auch in diesem Fall für dieses Album spricht. Versucht es! Wenn es nicht geht, dann eben erst später. Man sollte sich am Anfang nicht überfordern. Alles was keinen Spaß macht, sollte man tunlichst auch nicht machen, vor allem wenn es um Dinge wie Musik geht. Seid also mutig, hört rein und wenn es (noch) nicht geht, tja dann eben erstmal nicht.

Für Einsteiger geeignet?

Motion: Bedingt. Muss man probieren

Joe Henderson

Nun kommen wir zum dritten im Bunde, auf den ich meine musikalische Saxophonkirche baue, wenn man so will. Er ist dafür verantwortlich, dass ich das Tenorsaxophon doch noch lieben gelernt habe. Ein grandioser Künstler, ein Intellektueller. Er hat auch schon mal das ein oder andere Freejazz Album gemacht, in diesem Fall geht es aber um Lush Life: The Music of Billy Strayhorn, eines welches eher ruhig daherkommt, und er zeigt was für einen unfassbar tollen Ton er hat, wie elegant er spielt. Ein wenig wie Paul Desmond in moderner, wenn man so mag. Wo wir gerade bei bekannten Melodien sind. Das letzte Album was der gute Joe Henderson zu Lebzeiten aufgenommen hat, war seine Interpretation von der Musik von ‚Porgy and Bess‚ von George Gershwin. Ja, und da gäbe es schon Melodien, sie treten halt nur bisweilen in den Hintergrund, also vor allem beim Solieren. Ansonsten ist auch hier eigentlich alles gut. Sehr gut sogar. Sogar Chaka Khan und Sting sind auf diesem Album zu hören. Die kennt man sogar außerhalb des Jazzkontexts. Tolles Album. Wie gesagt, an einigen Stellen nicht immer ganz einfach.

Eines hab ich noch: Nämlich The Standard Joe. Was Joe Henderson hier so spielt, ja nun. Es gäbe da schon Melodien, man muss sie halt nur ein wenig suchen… Immerhin spielt er Standards, wie der Name des Albums ahnen lässt. Zumindest werden die meisten von euch also am Anfang des Stückes erkennen, um was für eines es sich handelt. Auch hier gilt: Traut euch. Und wenn es nicht geht, dann lasst es erstmal ruhig und kommt später wieder. Ich liebe den Sound des Herrn Henderson, die Intellektualität mit der er an all seine Werke herangegangen ist. Das Entscheidende aber ist: Er schafft, was was sonst nur Paul Desmond schafft. Ich bekomme bisweilen Gänsehaut, wenn er spielt.

Für Einsteiger geeignet?

Lush Life: The Music of Billy Strayhorn: Zum Teil. Vor allem wegen der bekannten Melodien

Porgy and Bess: Ja

The Standard Joe: Bedingt. Muss man probieren

The Modern Jazz Quartet

Eine Band, die ich schon als Kind gehört habe. Ein einmaliger Sound. Die Band bestand aus Milt Jackson (Vibraphon), John Lewis (Piano), Percy Heath (Bass) und Connie Kay (Schlagzeug). Kein Saxophon? Keine Trompete? Keine Gitarre? Piano und Vibraphon? Eine sehr seltene Kombination. Egal. Sie prägten mein Bild von dieser Musik in den 70ern, also in der Zeit in der ich ein Kind war. Natürlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, was Jazz ist. Ich erkannte aber die Band wieder, ohne zu wissen wie sie heißen oder was sie da machen. Diese Gruppe mit dem schönen Ding und Dong halt. Meist recht leise kommen sie daher. Melodien konnten sie. Sie waren mein Einstieg in die Welt des Jazz, ohne dass ich das zu diesem Zeitpunkt auch nur im entferntesten ahnen konnte. Wenn das nichts für den Einstieg in die Welt des Jazz ist, dachte ich mir, und gebe deswegen eine dicke Empfehlung für diese wunderbare Band ab. Es handelt sich hier um das Album ‚The Complete Last Concert‚. Es sind Aufnahmen aus den Jahren 1975 und 1981. Ein wirklich toller Einsteig in die Welt des Jazz, zumindest nach meinem Dafürhalten. Deswegen ist sie auch in der Liste zu finden. Sie gehören definitiv auch in die Liste meiner Lieblingsaufnahmen.

Für Einsteiger geeignet?

The Complete Last Concert: Aber so was von.

Das waren sie, die Empfehlungen. Mal einfacher zugänglich, mal schon ein bisschen schwerer. Aber Menschen funktionieren unterschiedlich. Warum also auch nicht etwas weniger einfaches mit in die Liste der Empfehlungen nehmen, außerdem sind sie ja in der Liste meiner bevorzugten Jazz-Alben, insofern hatte ich also auch gar kein andere Wahl! 😉
Es werden weitere Empfehlungen folgen. Gerade im Bereich des Big Band Jazz gibt es hervorragende Werke, die sich vorzüglich eignen, um in die Welt des Jazz einzutauchen, aber dazu beim nächsten mal mehr.

P.S.: Ja, ich liebe das Saxophon. Diese Reihe wird sich aber im Laufe der Zeit auch anderer Instrumente annehmen, damit auch die nicht zu kurz kommen.

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Frohe Festtage!

Liebe Menschen,

hier noch ein paar musikalische Anregungen für die nächste Zeit:

Felix Mendelssohn hätte da was anzubieten. ‚Vom Himmel Hoch‚ ist ein wunderbares Stück Musik.

Auch Hector Berlioz hat was hübsches geklöppelt: ‚L’Enfance du Christ‚. Hier wird halt auf die Geburt Verzichtet aber immerhin die Kindheit des kleinen Menschen aus Nazareth musikalisch untermalt.

Und für alle – egal ob nun mit oder ohne Glaube – gibt’s natürlich Pjotr Iljitsch Tschaikowski und die ‚Nussknacker-Suite‚. Immer wieder toll. Wunderschöne Melodien. Großartig.

Da dürfte so ziemlich für alle Menschen was dabei sein, hoffe ich. In diesem Sinne: Euch allen, ein paar schicke Festtage!

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Die Causa Wagner

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich der Musik in all Ihren Facetten anheim gefallen bin. Ich höre seit meiner jüngsten Kindheit Musik und bin seit dieser Zeit schwer verliebt in die wundersame Kunst der Klänge und Töne. So ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn ich mich immer wieder zu bestimmten Aspekten der Musik ins Verhältnis setzen will und muss. Dann kommt dazu, dass, immer wenn man was ganz besonders liebt und sich entsprechend mit vielen Aspekten des Themas beschäftigt, nicht umhin kommt, sich auch über die nicht so hübschen Dinge Gedanken zu machen.  Inwieweit ist Kunst und Künstler im Zusammenhang zu sehen? Muss man gar die Kunst vom Künstler trennen? Was also tun, wenn Musik plötzlich nicht mehr nur Musik ist, weil der Komponist nicht nur im Bereich der Musik, sondern auch in anderen Bereichen nachhaltigen Einfluss auf das hatte, was ihn umgab? Oder war das gar nicht so? Ist der Einfluss von Künstlern generell überschätzt?  Wenn sie bei Ihrer Kunst bleiben, kann man darüber sicher redlich diskutieren. Was aber wenn dieser Künstler Schriften verfasst hat, die wahrgenommen und ernstgenommen wurden? Und nicht nur das. Was macht man wenn der Autor bekennender Antisemit war und versucht hat, dieses schriftlich intellektuell zu verteidigen? Darf man Wagner nicht hören? Und wer war dieser Wagner eigentlich? War der Einfluss seines Essays ‚Das Judentum in der Musik‚ wirklich so groß? Außerdem gab es die Nazis damals ja auch noch gar nicht, also könne er auch keiner gewesen sein, wie Elke Heidenreich einmal anmerkte. Was also tun? 

Und damit jeder so einigermaßen weiß um wen es sich überhaupt handelt, ist es sicher sinnvoll mit einem kurzen Überblick über sein Leben, sein Tun und sein Wirken zu beginnen:

Das Leben

Wilhelm Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Mit 18 Jahren begann er sein Musikstudium in Dresden. 1833 wurde Wagner Korrepetitor in Würzburg. Später war er in Magdeburg, Königsberg, Dresden und München als Hofkapellmeister tätig. Nach Ende seines Münchener Aufenthaltes zog er 1866 in die Schweiz, wo er zumeist mit Cosima, der Tochter von Franz Liszt und der Ehefrau von Hans von Bülow, wohnte. Vier Jahre später heirateten sie und zogen 1872 nach Bayreuth. Dort hat Wagner an der Verwirklichung seiner Pläne für das Festspielhaus gearbeitet, in dem 1876 die ersten Festspiele mit der Gesamtaufführung des ‚Ring des Nibelungen‘ stattfanden. Wagners Werk umfasst neben einigen Liedern, Orchester- und Chorwerken vor allem Opern, darunter neben dem ‚Ring‚: ‚Der fliegende Holländer‚, ‚Tannhäuser‚, ‚Lohengrin‚, ‚Tristan und Isolde‚ und ‚Die Meistersinger von Nürnberg‚. Richard Wagner verstarb am 13. Februar 1883 in Venedig.

Der Antisemitismus

Wagners Weltbild war eine Melange aus Aufbruch, Umsturz, Revolution und Sehnsucht nach Kunst und Gesellschaft durch Untergang von allem Bestehenden. Seine Motive waren eine wilde Mischung aus humanistisch-aufklärerischer Revolution gegen Aristokratie einerseits und Rückkehr zur Natur, Ablehnung der Industrialisierung sowie nationalistischer Phantasien von der totalen Einheit einer Rasse oder eines Volkes andererseits. Wagner war zunächst auch ein Kind seiner Zeit und reagierte auf antijudaistische und frühantisemitische Stereotype. Vieles von dem, was man anfänglich bei Wagner findet, fand man auch schon vorher bei Martin Luther. Antisemitismus gehörte zu Zeiten Wagners zum „guten Ton“. Das was allerdings anders ist und was die Qualität des wagnerischen Antisemitismus eben von anderen dann doch unterscheidet ist, dass er nicht nur auf das, was er an Antisemitismus vorfand, versucht hat, entsprechend antisemitisch zu reagieren. Er versuchte etwas anderes. Er ging weiter. Er versuchte den Antisemitismus künstlerisch zu intellektualisieren. Ihn quasi mithilfe der Kunst zu rechtfertigen. Er entwickelte den Antisemitismus mit Schriften wie ‚Das Judentum in der Musik‚ weiter. Er hob ihn auf ein neues Level. Und das hatte nachhaltigen Einfluss. Wagner hat ‚Das Judentum in der Musik‘ zunächst einmal unter dem Pseudonym ‚K. Freigedank‘ veröffentlicht,  in der ‚Neue Zeitschrift für Musik‚. Darin heißt es, dass es eine „Verjüdung der modernen Kunst“ gebe, und dass „der Jude an sich unfähig sei sich uns künstlerisch kundzugeben.“ Damals war Wagner aber noch nicht so populär, als dass es eine große Wirkung hätte erzielen können. Das sollte sich mit der zweiten Veröffentlichung ändern. Denn als Wagner dann einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad erlangte, hat er die Schrift unter Hinzufügung von Vor- und Nachwort unter eigenem Namen noch einmal veröffentlicht.  Diesmal mit großem Wiederhall. Es heißt hier u.a.: „Ob der Verfall unserer Cultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könne, vermag ich nicht zu beurtheilen, weil hierzu Kräfte gehören müssten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.“ Es darf gründlichst bezweifelt werden, dass Hitler diese Schriften seines Lieblingskomponisten nicht gekannt hat. Jedenfalls hat der Wagnerianer Hitler sich zum Vollstrecker seines Propheten gemacht. Außerdem hatten Wagners Ausführungen großen Einfluss auf den englischen Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain, der sich auf Wagners Schriften berief, sich diese zu nutze machte, sie deutete und interpretierte um seine eigenen Schriften intellektuell zu untermauern. Chamberlain war der Verfasser der Schrift ‚Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts‘. Die Werke und sein Verfasser gelten wiederum als einer der ideologischen Wegbereiter des nationalsozialistischen Antisemitismus.  Noch etwas kommt erschwerend hinzu. „Dämon und „Verfall“ sind zwei Begriffe die vor den Schriften Wagners nicht im Kontext mit dem Begriff Jude gebraucht wurden. Alfred Rosenberg hat sich dieses zu nutze gemacht und diese Begriffe in seinen Antisemitischen Schriften gebraucht. Alfred Rosenberg war zur Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus Politiker und führender Ideologe der NSDAP.  Wagners Ausführungen hatten also durchaus Einfluss auf die nachfolgenden geschichtlichen Ereignisse. Mehr als die meisten Wagnerianer wahr haben wollen. Thomas Mann sagte einmal: „Es ist viel Hitler in Wagner.“ Man darf Wagner also getrost als Brandstifter und Wegbereiter bezeichnen. 

Wagner und Mendelssohn 

Der Komponist und das Werk Felix Mendelssohns haben es nicht zu Lebzeiten, aber noch weniger posthum leicht gehabt,  denn man ist zum Teil bis in die Gegenwart hinein nach Kräften bemüht, ihn und seine Musik abzuwerten. Und alles begann mit Wagner und seinen antisemitischen Äußerungen, die Mendelssohn in voller Gänze treffen sollten. Das Ziel was Wagner verfolgte, war schlicht und ergreifend  die Vernichtung Mendelssohns, die Verdrängung und Zerstörung des gesamten Werkes, des Lebens und Wirkens eines einstmals angesehenen Komponisten. Sie war ein Verbrechen, das Mendelssohn, da zu dem  Zeitpunkt schon Verstorben, nicht mehr miterleben sollte, was aber seinem Ansehen, seiner Musik und seinem Wirken bis in die heutige Zeit nachhaltig geschadet hat. Wagner ist schuld an der Stigmatisierung der Person und der Musik Felix Mendelssohns, seine Schriften stellten eine Verunglimpfung dar, die bis in unsere Zeit wirksam bleibt.  Dabei ist die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts ohne Mendelssohn undenkbar. Er war der erste Dirigent, wie wir ihn heute kennen. Er hat das erste Konservatorium Deutschlands gegründet. Ohne Mendelssohn würden wir Bach vielleicht gar nicht kennen. Ohne Mendelssohn wäre die ‚Große C-Dur‚ Symphonie von Franz Schubert nicht Uraufgeführt worden. Vor allem aber gäbe es ohne Mendelssohn nicht dessen wunderschöne Musik. In Wagners Musik lassen sich viele Parallelen zu Mendelssohns Musik finden. Hier ein paar Beispiele. Es fängt an mit der ‚Todesverkündung‘ im zweiten Akt der Walküre  die doch die ein oder andere Gemeinsamkeit mit dem Beginn der Schottischen Symphonie Mendellsohns hat. Dann wäre da das berühmte Dresdner Amen, dessen Interpretation sich in Mendelssohns Reformations-Symphonie finden lässt. Auf gleiche Weise findet man es aber eins zu eins genau so bei Wagner im Liebesverbot, im Tannhäuser oder beim Parsifal wieder. Wagner hat sich aber nicht nur der Melodien Mendelssohns bedient, sondern auch dessen Struktur, die er in seiner Musik pflegte. In Mendelssohns Werken findet man musikalische Strukturen, die Wagner dankend in sein Werk hat einfliessen lassen. Nicht zuletzt ist es der der religiöse Ton, das mythische Musikverständnis, was Mendelssohn hatte, was sich Wagner zu nutze machte. Es sei hier auf den Sommernachtstraum Mendelssohns hingewiesen. Das alles wäre nur halb so schlimm gewesen, wenn Wagner sich zu Mendelssohn nicht so geäußert hätte, wie er sich nunmal geäußert hat. Mendelssohn hatte schon vor Wagner mit antisemitischen Ressentiments zu kämpfen, obwohl er protestantisch getauft wurde, um genau das zu vermeiden. Was machte nun Wagner?  Der schmähte den Komponisten posthum. Und das hatte auch hier eine neue Qualität. Denn: Taufe hin, Taufe her. „Juden sind künstlerisch impotent, sie können nur nachahmen und sind unfähig, selbst kreativ zu sein, Juden setzen auf bloßen Effekt. Juden gehören nicht zu den Deutschen: Der Jude hat etwas ‚unangenehm Fremdartiges‘ an sich.“ Wagner benutzte in diesem Zusammenhang den Begriff des ‚getauften Juden‘, eine Formulierung der sich die Nationalsozialisten später bedient haben. Richard Wagner über Mendelssohn in einem Brief den er 1855 an  Gönner Otto Wesendonck geschrieben hat:  „Mendelssohn ist den Engländern das, was den Juden ihr Jehova ist. Jehovas Zorn trifft mich Ungläubigen denn auch jetzt; denn Sie wissen, daß unter andern großen Eigenschaften dem lieben Gotte der Juden sehr viel Rachsucht zugeschrieben wird.“ Dank Wagner ist Mendelssohn als musikalischer ‚Landschaftsmaler‘ verschrien. Dank Wagner wird in einschlägigen Klassikforen darüber diskutiert, ob Wagner nicht doch ein wenig recht gehabt haben könnte. Natürlich fügt man gleich hinzu, dass es hierbei nur die musikalische Einschätzung ginge. Wagner ist es zu verdanken, dass Mendelssohns Musik als oberflächlich, unwichtig und gegenstandslos betrachtet wird. Weitere Klischees,  für die Wagner verantwortlich ist,  erspare ich sowohl mir als auch den Lesern.

Wirkung auf spätere Musik

Wagner hat zunächst einmal die sogenannte Nummernoper zum Musikdrama weiterentwickelt. Was bedeutet das? Vor Wagner bestanden Opern quasi aus einer Aneinanderreihung von Nummern, sprich Arien, Duette, Chöre und instrumentale Teile wechseln sich ab und werden durch gesprochene Rezitative miteinander verbunden. Bei Wagner finden wir nun die sogenannte „unendliche Melodie“. Das Orchester beginnt hier am Anfang der Oper zu spielen und hört am Ende der jeweiligen Oper auf. Auch wird in Wagners Opern nicht gesprochen. Es gibt keine einzelnen, für sich stehenden Arien mehr, sondern durchgehend gesungene Erzählungen, Monologe oder Dialoge. Es wird aber nicht wie vorher alles separat und abgeschlossen nacheinander gesungen oder gespielt, sondern mithilfe des Orchesters, durchgehend zur Aufführung gebracht. Dabei bedient sich Wagner, allerdings auch nicht als erster, der sogenannten Leitmotiv-Technik. Das kennt man heute aus jedem Film und natürlich aus der Schule von ‚Peter und der Wolf‚ von Prokofiev. Soll heißen, es wird einer bestimmten Person, einem Gegenstand oder einem Gefühl ein musikalisches Motiv zugeordnet. Immer wenn nun also eine Person, ein Gegenstand, eine Situation oder eine Emotion  innerhalb des Stückes zum Tragen kommt, wird die jeweils zugeordnete Melodie gespielt. Charaktere, Situationen, Gegenstände oder auch Emotionen haben also Ihre ureigene Melodie. Wagner hat das Gesamtkunstwerk, wie es ihm vorschwebte, letztlich tatsächlich in Bayreuth (Bayreuther Festspiele) in die Tat umsetzen können.

Was bleibt?

War Wagner der größte Komponist aller Zeiten, wie er es sicher gerne gehabt hätte? Mit Sicherheit nicht. Er war mit Sicherheit auch nicht so groß wie es die Wagnerianer gern hätten, von denen er zum Teil religiös verehrt wird. Er hat die Musik nicht neu erfunden, und auch die Erfindung des Internets ist nicht direkt auf Ihn zurückzuführen. 😉 Ein wichtiger Komponist, vor allem im Bereich Oper, ja. Uneingeschränkt. Wagner hat seinen Teil zur Musikgeschichte beigetragen. Es gibt derer mehrere, die da ein Wörtchen mitzureden haben. Es gibt durchaus den ein oder anderen, den ich weit vor Wagner einzuordnen wüsste. Claude Debussy z. B., aber das soll hier ja nicht das Thema sein. Ich gestehe Wagner eine gewichtige Rolle in der Musikhistorie zu.

Und nun?

Kann man Kunst und Künstler trennen? Ich meine nein, aber das heißt erstmal gar nichts. Wir alle trennen nicht zwischen Kunst und Künstler. Wir tun uns mit der Kunst eines Menschen einfach wesentlich leichter, wenn wir den Mensch, der dahintersteht, sympathisch finden. Wenn das nicht der Fall ist, kann es sein, dass sich die Künstler noch so sehr anstrengen mögen, es kommt dann bei uns im Zweifel  nicht an. Was bedeutet das jetzt für die Causa Wagner. Was macht man nun mit so einem? Er hat gelogen, betrogen, schreckliche Schriften verfasst, die durchaus Einfluss auf das ausübten, was danach geschah. Und dann wäre da noch der Anspruch des Gesamtkunstwerks. Dann würden ja, wenn es nach Wagner ginge, seine Essays zu eben diesem hinzugehören. Darf man Ihn nun also hören oder nicht?  Diese Frage kann ich euch nicht beantworten. Das müsst Ihr selber machen. Wir alle haben eine individuell geartete Toleranzschwelle. Ich kann also nur für mich meine Konsequenz aus dem ziehen, was ich über Wagner weiß und was seine Musik bei mir bewirkt. Auf mich übt diese Musik Gewalt aus. Sie ist mir zu groß, zu episch, zu ‚erlösend‘, zu verklärend, zu pathetisch und zu anmaßend. Das gilt für mich. Meine Toleranzschwelle ist hier bei weitem überschritten, das muss aber nicht heißen, dass es die eurige auch sein muss. Wer Wagner hören mag, der möge es machen. Nur bitte nicht wegen Wagner, sondern trotz Wagner, das wäre mir dann doch wichtig. Hört also meinetwegen Wagner, wenn ihr wollt und könnt. Wer Wagner und seine Musik erträgt, möge es hören,  aber bitte nicht unreflektiert. Habt meinethalben Freude an seiner Musik, aber haltet Augen und Ohren offen. Seid immer auf der Hut, auf dass Ihr nicht einer von denen werdet, der Wagner war.

Zum Schluss

Ich möchte anmerken, dass mir das Schreiben dieser Zeilen nicht leicht gefallen ist. Ich bin was das Thema Antisemitismus angeht sehr empfindsam und eine Toleranzschwelle ist bei diesem Thema bei mir so gut wie nicht vorhanden. Mehr kann und will ich zu meinen persönlichen Befindlichkeiten nicht schreiben. Das ist zu privat.

Ich möchte mich bei der wunderbaren @gruenkariert für einen Text bedanken, der diesen Text erst hat entstehen lassen. Danke.

Bei allem was Ihr macht. Seid wachsam. Werdet keine von denen.

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Warpaint – Warpaint

Es gibt so Alben da weiß man am Anfang nicht so recht was man schreiben soll, weil es einem schwer fällt etwas zu finden über das man schreiben kann. Dann wieder gibt es Alben da weiß man sofort was man schreiben will, weil das Album sich einem in seiner Gänze öffnet und man genau weiß was man sagen will. Dann wiederum gibt es Alben bei denen gibt es so viel zu schreiben, dass man nicht weiß wo man anfangen soll. Dieses ist so ein Album, so eine Band.

Begeben wir uns mal alle in das Jahr 2004. Da gründete sich eine Band namens Warpaint in einer Stadt namens Los Angeles. Nach einigen Umbesetzungen fand die Band zu Ihrer heutigen Besetzung. Emily Kokal (Gitarre/Keyboards) und Theresa Wayman (Gitarre/Keyboards) kennen sich bereit aus der Schule und kommen beide aus Eugene/Oregon. Die Geschwister Jenny Lee Lindberg (Bass) und Shannyn Sossamon (Drums) kommen aus Reno/Nevada. Diese vier haben 2008 dann in dieser Besetzung EP Exquisite Corpse rausgebracht, die die Kritiker begeistert aufgenommen haben. In eben jenem Jahr hat Shannyn dann die Band verlassen um sich auf ihre Schauspiel-Karriere zu konzentrieren. Seit dieser Zeit ist Stella Mozgawa, eine Australierin, die Schlagzeugerin der Band, und die endgültige Formation hatte sich gefunden. 2010 kam das umjubelte Debütalbum The Fool raus und verzückte die Musikkritik auf’s neue. Ohrwurmiger, Psychedelischer, Postrockiger, Pop, den man so noch noch gehört hatte. Die Songs sind alle samt und sonders einfach entstanden weil sie, wie die Band glaubhaft vermittelt, einfach mal während des Spielens entstanden sind. Aus dem Jam heraus ein Album herauspurzeln lassen, wenn man so will. Erinnerungen an The Cure und Joy Division wurden ein wenig wach. Auch bei mir. Das ganze ist nun auch schon wieder vier Jahre her. Die Band war enorm lange auf Tournee und hat Ihre musikalischen Fähigkeiten und Erfahrungen damit natürlich nochmals steigern können. Und so war man natürlich gespannt was die vier Damen sich nun für das neue Album haben einfallen lassen. Das erste was man diesmal gemacht hat, man ist in die Wüste gegangen, genauer gesagt nach Joshua Tree. Das ist eine Kleinstadt in Kalifornien, die ungefähr 200 von L.A. entfernt ist. Hier haben auch schon Queens of the Stone Age zwei Alben aufgenommen. Dahin hat man sich also nun aufgemacht. In die Einöde. Auf das es die Kreativität fördern möge. Das mit dem Jam spielte auch hier eine Rolle, auch wenn man dazu übergegangen ist tatsächlich klassisch zusammen Songs zu schreiben. Also Ideen zusammenzutragen und dann das Ganze zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen. Nichts desto trotz musste man sie bisweilen dann schon wieder bremsen, wenn sie zum Beispiel 40 minütige Versionen Ihrer Lieder im Studio zum besten gegeben hatten. Wie auch immer diese Songs im einzelnen entstanden sind, sie sind auf jeden Fall das Ergebnis der Band, und das hört man. Soviel Homogenität. Soviel Einklang im Vielklang. Soviel individuelles Können, was am Ende dann zu einem großen ganzen geformt wird, hört man schon nicht oft. Das hier ist schon mal kein Egotripp irgendeines sich selbst verwirklichen wollenden Individuums. Das hier ist das Ergebnis einer Band. Einer herausragenden Band. Die Kombination aus Schlagzeug und Bass sucht ihresgleichen und ich für meinen Teil halte sie für das Beste was es zu Zeit gibt. Die beiden Gitarristinnen spielen anscheinend so leicht und perlend die Noten dahin, dass man fast das Gefühl haben könnte, dass sie sich dabei nicht mal anstrengen müssten. Was man hier zu hören bekommt ist das beste was ich in den letzten Jahren gehört habe. Ich weiß im Moment auch immer noch nicht mit was ich es vergleichen könnte. Es ist ein Album was einen von der ersten Sekunde an in seinen Bann zieht. Einen nicht mehr los lässt, und eine mitnimmt auf eine Reise in die musikalische Glückseligkeit bevor man überhaupt begriffen hat, dass man irgendwo eingestiegen wäre. Wie Mogwai hat auch Warpaint die Synthesizer für sich noch mal neu entdeckt und weiß sie für sich geschickt einzusetzen. Ein weiterer Glanzpunkt dieses Albums in dem nichts zuviel, nichts zuwenig, sondern alles genau richtig ist. Die Musik ist von soviel lyrischer Zärtlichkeit und entwaffnender Brachialität  durchsetzt, dass es einem den Atem verschlägt. Man kann sich nicht wehren gegen diese Entrückung der man innerhalb von Sekunden anheim fällt, die im Laufe des Albums immer weiter Raum greift und einen am Ende des Albums einfach völlig benebelt zurücklässt. Das ganze changiert von Postrock zu Psychedelic über Progressivepop zu Dancefloor. Und man ist geneigt es Postprogressivepsychedlicdancefloorpop zu nennen. Der Begriff ist zu lang, aber alles andere wäre zu kurz und würde diesem Album nicht gerecht werden. Es lässt einen zuhören. Es lässt einen versinken. Es lässt einen Tanzen. Man will es immer noch mal hören. Man bekommt nicht genug von diesem Album. Ich würde diesem Album gerne 20/10 Punkten geben. Der männliche Rock ’n Roll ist tot, es lebe der weibliche, zärtliche, feminine Rock ’n Roll, der nicht unbedingt von Frauen kommen muss. Tocotronic beweisen das schon seit längerem. In diesem Fall kommt er von Frauen die das Beste Album der letzten Jahre gemacht haben. So gut, dass selbst der NME ihnen 9/10 Punkten geben musste. Wenn sie Britinnen wären, hätten sie 10 bekommen. Ich gebe ihnen nicht nur 10 Punkte sondern wünsche mir mehr von ihnen. Es ist das großartigste Werk was ich seit langem hören durfte, und ich bin obwohl ich soviel geredet habe im Grunde Sprachlos.

Homepage der Band

Das Album bei Spotify

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Mogwai – Rave Tapes

Mogwai ist eine schottische Postrock-Band aus Glasgow, die im Jahr 1995 gegründet wurde. Der Name leitet sich aus dem Chinesischen ab und bedeutet ungefähr so viel wie „dunkler Geist“ oder „böse Seele“. Die Inspiration zu diesem Namen erhielt die Band durch die Kreatur aus dem Film Gremlins von Joe Dante aus dem Jahr 1984. Stuart Braithwaite, der Gitarrist von Mogwai, sagte jedoch, dass dieser Name keine tiefere Bedeutung für die Band habe, sie wollten schon seit längerem einen besseren finden. (Quelle: Wikipedia)

Rave Tapes heißt das neue Album der Band. Das ganze hat natürlich nichts mit dem zu tun was man vielleicht beim Lesen des Titels vermuten mag. Denn um Rave geht es auf diesem Album nun wahrlich nicht. Mogwai mögen den geneigten Hörer gern einmal mit irgendwelchen Worten verwirren. Seien es die Albentitel oder auch die Titel der Songs, die zum Teil nichts mit dem zu tun haben was da musikalisch dargeboten wird. Immerhin gibt es auf Rave Tapes Synthesizer. Also zumindest dahingehend wird man nicht auf die falsche Fährte gelockt. Das war’s dann aber auch schon. Wobei Das war’s ist eigentlich auch schon wieder ein wenig zu kurz gesprungen. Denn. Mogwai haben auf diesem Album die Gitarren ein wenig dezenter eingesetzt als auf ihren Vorgängerwerken und dafür den elektronischen Klängen etwas mehr Raum gegeben. Das ist dann doch etwas besonderes und macht dieses Album nicht nur zu einem besonderen Mogwai Album, sondern zu einem besondere’s hübschen Album auch für nicht Mogwai Fans. Dieses hübsche changieren zwischen Gitarre und elektronischen Instrumenten ist wunderschön. Die Arrangements der Songs bekommen dadurch eine nie da gewesene Eleganz, die das gesamte Album durchzieht. Nur Singen mag man auch auf dem neuen Album auch nicht gar zu gerne, was aber dem besonderen dieses Albums keinen Abbruch verleiht, im Gegenteil. Es trägt zur Besonderheit dieser Band bei, die schon immer lieber Instrumentale Musik geschrieben hat. So auch auf diesem Album. So gibt es zwar auf diesem Album Songs wie ‘The Lord is out of control’ in der es zwar gesungenes gibt, die Stimme aber mithilfe eines Vocoders verfremdet wird. Somit also eher wieder zu einem gespielten Instrument wird. In dem Song ‘Replenish’ wird über den vermeintlich satanischen Inhalt des Led Zeppelin Songs ’Stairway to Heaven’ gesprochen philosophiert. Wer nun glaubt, dass die Musik in irgendeinem Bezug zum gesprochenen Text stehen würde sieht sich wieder getäuscht, denn auch hier machen Mogwai einem wieder einen Strich durch die musikalische Rechnung. Gut so. Ich mag diese Art der Ironie, und diese Art des verschmitzten Humors. Einmal hat man sich dann doch getraut. In ‘Blues Hour’ wird nicht nur tatsächlich gesungen, man erkannt das Gesungene auch als solches. Ma würde sich nicht gar zu wohl fühlen wenn es um Gesang gehen würde, sagt man. Ein ganz klein wenig merkt man es dem Gesang bei dem Stück an. Ein wenig peinlich berührt scheint da in’s Mikrophon gesungen zu werden. Das alles ist aber nicht schlimm und soll das tolle Album dieser Band nicht schmälern. Es ist ein weiter Weg bis zu diesem Album gewesen denn Mogwai da gegangen ist. Sie haben auf diesem Weg, der ein ganz eigener ist, soviel richtig und gut gemacht. So auch auf dem neuen Album. Auch hier ist wieder vieles enorm hübsch und gut. Ja zum Teil noch hübscher und toller als auf den Alben davor. Ein herausragendes Album einer Band die sich nicht beirren lässt, Ihren eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten, dabei immer besser wird und in diesem Fall ein wenig Sigur Rós auf ein wenig Kraftwerk treffen lässt. Toll. Ein zehn Punkte Album. Und wenn da nicht dieses andere Album dieser anderen Band gewesen wäre, so wäre es sicher auch mehr wahrgenommen worden. Das tut mir ein wenig leid. Verdient hätte es mehr Aufmerksamkeit. Mogwai hat ein unglaublich gutes Album zu denkbar ungünstigsten Zeitpunkt rausgebracht, nämlich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung einer gewissen Band namens Warpaint. Trotzdem gibt es von mir einer glatte 10 für dieses wirklich tolle Album.

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Marillion

Die Band gründete sich 1979 zunächst als Instrumentalgruppe unter dem Namen Silmarillion, in Anlehnung an das gleichnamige Buch von J. R. R. Tolkien. Zu den Gründungsmitgliedern zählten u.a. Steve Rothery und Mick Pointer. 1981 stieß Fish zur Band. In der Folgezeit kamen noch Keyboarder Mark Kelly und Bassist Pete Trewavas dazu. In dieser Besetzung veröffentlichte die Band zunächst im Oktober 1982 die Single Market Square Heroes. Auf der B-Seite der Maxi-Single dieses Stückes befand sich das 17 Minuten lange Stück Grendel. Zu dieser Zeit orientierte sich Marillion sehr stark an die Musik von Genesis der 70’er Jahre, weshalb Marillion auch oft „das zweitbeste Genesis aller Zeiten“ genannt wurde. 1983 erschien das Debütalbum Script for a Jester’s Tear. Mick Pointer wurde nunmehr durch Ian Mosley ersetzt. Ein Schlagzeuger der schon mit Steve Hackett von Genesis auf Tournee war, und welcher späterhin u.a. auf A Secret Wish von Propaganda zu hören sein sollte. In dieser Besetzung folgten drei weitere Alben, die richtungsweisend im Bereich des sogenannten Neo-Progressive Rock waren. Viele Bands die heute in im Prog-Rock unterwegs sind hätte es in dieser Form ohne Marillion wohl nicht gegeben. Dream Theater spielen bis heute Stücke von Marillion live, um nur ein Beispiel zu nennen. 1984 erschien das zweite Album Fugazi. Hier wurde der Stil des Neo-Prog nochmals verfeinert. 1986 erschien dann das Album Misplaced Childhood, das bis heute erfolgreichste Album, auf dem sich auch die erfolgreichste Single der Band, nämlich Kayleigh, wieder findet. Mit dem Song Incommunicado, vom nachfolgenden Album Clutching at Straws, war Marillion international sehr erfolgreich, und man gehörte nunmehr zu den erfolgreichsten Bands jener Zeit. 1988 verließ Fish die Band. Es soll innerhalb der Band zu schweren Differenzen bezüglich der musikalischen Ausrichtung gekommen sein, und so beschloss der schottische Sänger zukünftig ohne Marillion sein musikalisches Glück zu finden, und Solo weiterzumachen. 1988 erschien das Live-Album The Thieving Magpie, welches den Endpunkt der Fish-Ära darstellte. Marillion suchte einen neuen Sänger und fand ihn in Steve Hogarth. Es erschien Seasons End, an dem Fish noch musikalisch beteiligt war weil die Songs eigentlich mit ihm als Sänger hätten veröffentlicht werden sollen. Was zur Folge hatte, dass es noch sehr an die vorangegangenen Alben erinnert. Mit Holidays in Eden veröffentlichte Marillion 1991 ein weiteres Album, was immer noch sehr an vergangene Zeiten erinnert, und was wohl eines der zugänglichsten, um nicht zu sagen mainstreamigsten, Alben der Band ist. Daraufhin schlug die Band eine deutlich andere Richtung ein. Denn es folgte das Konzeptalbum Brave, welches ein klares Gegenstück darstellte. Obwohl es Platz 10 in den Charts erreichte blieb es doch kommerziell hinter den Erwartungen der Plattenfirma, als auch der Band, zurück. Es folgten 1995, Afraid of Sunlight, 1997 This Strange Engine, 1998 Radiation, 1999 Marillion.com und 2001 Anoraknophobia. Mit eben jenem Album ging Marillion einen neuen Weg was die Finanzierung ihrer Produktionen angeht. Um die Alben produzieren zu können begann man das Internet zu verstehen, zu nutzen, ließ die Plattenfirmen außen vor und ließ sich von den Fans etliche Monate im Voraus die Kosten vorfinanzieren. Als Belohnung bekamen die Vorbesteller zusätzliches Material. Im Fall von Anoraknophobia eine Bonus-CD. Beim darauffolgenden Album Marbles gab’s das vollständige Album als Doppel-CD, während im Handel nur eine einfache CD mit gekürzter Fassung des Albums erhältlich war. Marbles aus dem Jahre 2004, war auch das Album welches mit den ausgekoppelten Singles You’re Gone und The Damage in einigen Ländern Europas wieder Top-10-Platzierungen erreichte. 2007 erschien Somewhere Else, 2008 Happiness Is the Road. Und hier wieder was besonderes. Eine Vorabversion des Albums zusammen mit einigen Videos waren von der Band selbst über Internet-Tauschbörsen vertrieben worden. Eine andere Band namens Radiohead ist da diesbezüglich auch sehr weit vorne, und man hat sich in diesem Falle dort ein wenig inspirieren lassen. Es ist bei Marillion seit 1998 Tradition ihren Fans jedes Jahr zu Weihnachten eine CD zum Geschenk zu machen. Es handelt es sich hierbei um Live- und Akustik-Versionen ihrer Musikstücke, Outtakes oder auch mal eine Interpretation eines zeitgenössischen oder klassischen Weihnachtsliedes. Marillion ist eine ausgezeichnete Live-Band und oft dauert es eine ganze Weile bis die Band überhaupt anfangen kann zu spielen, weil die Fans mit minutenlangen Ovationen den Anfang des Konzertes verzögern. Auch die Reihenfolge der Songs ist immer ungewiss, da von den Fans reingerufene Songwünsche auch einfach mal spontan erfüllt werden. Beides durfte der Autor dieser Zeilen schon selber miterleben. Seit 2001 finden alle zwei Jahre sogenannte Marillion Weekends statt. Es handelt sich hierbei um Marillion-Conventions mit jeweils drei verschiedenen Konzerten der Band an einem Wochenende. Aber auch Workshops mit den Musikern finden statt, bei denen die Bandmitglieder zu allen Fragen der Songs rede und Antwort stehen, und somit dem geneigtem Fan die Möglichkeit eröffnen die Songs auch einmal selber spielen zu können. Besonders seit dem Album Marbles hat die Band ihren eigenen Stil gefunden. Könnte man ihr vorher noch ein wenig das Suchen und nicht Finden unterstellen, so kann davon seit der Marbles eigentlich keine Rede mehr sein. Es ist ein geschlossener Sound, der sich einem erschließt, den man nachvollziehen kann. Das war nicht immer so. Nunmehr darf man endlich wieder gespannt sein auf neue Alben die diese Band veröffentlicht. Von den Neo-Progern der 80’er, einer Band die damals zwar ihren eigenen Stil hatte, welcher aber sehr stark von den Prog-Rock Bands der 70’er beeinflusst war, zu einer Band die mittlerweile ihren komplett eigenen Stil hat. Das hat alles ein wenig gedauert, aber welche Band kann schon von sich behaupten etwas eigenes, kaum einzuordnendes zu machen. Zurecht werden sie hier also abgefeiert. Weitermachen.

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London Grammar – If You Wait

London Grammar ist eine britische Band die sich des Indie-Pop verschrieben hat, aber diesmal des elektronischen Indie-Pop. Sie besteht aus Hannah Reid, Dot Major und Dan Rothman. Sängerin Reid und Gitarrist Rothman lernten sich im Studentenwohnheim der Nottinghamer Universität kennen. 2009 gründeten sie London Grammar und traten zunächst nur als Coverband auf. Anschließend stieß Schlagzeuger Major zur Band, und es entstanden die ersten eigenen Songs. Im Dezember 2012 veröffentlichten die drei Musiker im Internet ihre erste Single Hey Now, mit der ihnen der Durchbruch gelang. Im Februar 2013 kam die EP Metal & Dust auf den Markt. Mit der Single Wasting My Young Years erreichte die Band im Juni 2013 erstmals die britischen Charts. Das Debütalbum If You Wait erschien am 9. September 2013.

Eine Menge Stille, die musikalisch untermalt wird, kommt uns da entgegen. Auch der Melancholie ist man auf diesem Album sehr zugetan. Irgendwo zwischen The xx, MS MR und Massive Attack hat die Band sich auf diesem Album positioniert, und doch hat sie einen eigenen Stil. Dieses Album zieht einen schnell in seinen Bann. Es wird ein dramaturgischer Bogen gespannt, der mit Herzschmerz anfängt und mit Herzschmerz endet. Zwischen diesen beiden Punkten verzaubern einen die drei mit dem schönsten, im Wortsinne, was der Herbst musikalisch aufzubieten hat. Man ist geneigt zu lachen, zu weinen und sich von der wirklich hübschen Musik wegtragen zu lassen. Man kann den Blättern zusehen wie sie, von den schon recht karg aussehenden Bäumen, auf den Boden fallen. Man kann der schon tief stehenden Sonne dabei zusehen wie sie schon früh am Tage hinter dem Horizont versinkt. All das kann man sehen, wenn man denn will. All das ist musikalisch auf diesem Album zu ‚hörsehen‘. Ein Bilder erzeugendes Album. Es ist ein Album was aber, im Gegensatz zum Herbst, nie kühl ist. Es verbreitet eine angenehme musikalische Wärme. Es lässt einen nie frieren, sondern wärmt einen mit musikalischer Melancholie. Die Instrumente sind manchmal so zurückhaltend, dass man sie kaum wahrnimmt, und doch sind sie da. Ein ruhiges, schönes, freundliches Album, was einen nicht allein lässt beim Hören. Was einen traurig machen kann im besten Sinne, einen aber nie trauern lässt, sondern einen tröstet. Einen mitnimmt auf eine Reise in die wärmende, wohlige Melancholie, die so hübsch in Worte und Töne gepackt wurde. Ein wirklich hörenswertes Album.

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Lee Konitz

1927 in Chicago, Illinois, USA ist ein Altsaxophonist des Jazz in seiner Gänze, denn er hat sich so ziemlich allen Stilrichtungen angenommen, die es so innerhalb des Jazz gibt.  Das besondere an Konitz war, dass er den einzigen originären Beitrag zur Entwicklung des Jazz, zum Zeitpunkt des Wirkens von Charlie Parker, darstellte.  Seine Soli sind von einer unfassbaren Kreativität geprägt, was man u.a. an Aufnahmen festmachen kann, welche ca. 40 Minuten lang sind, und die nichts anderes beinhalten als ein Solo von eben jenem Lee Konitz. Neben Lennie Tristano war Konitz der  bedeutendste Cool-Jazz-Innovator. Und das alles noch bevor Miles Davis sich des Cool Jazz annahm. Musiker wie Paul Desmond oder Bill Evans ebenso wie Hans Koller und Albert Mangelsdorff und schließlich sogar Avantgardisten wie Anthony Braxton sind stark von Konitz beeinflusst worden. Eigentlich begann Konitz seine musikalische Laufbahn, indem er anfing Klarinette zu spielen, das mag vielleicht auch der Grund sein, weswegen er diesen recht eigenen Ton hat, der für einen Saxophonisten doch eher ungewöhnlich ist. Bei Paul Desmond, der ebenfalls von der Klarinette kam, sollte sich das noch stärker auswirken. Manchmal spielen die beiden nämlich einfach nur Klarinette auf dem Saxophon. Quasi Klarinettleske, wenn man so will. 1939 wechselte Konitz dann zum Tenorsaxophon. Bis er schließlich als Altsaxophonist bei Teddy Powell und Jerry Wald tätig war, bevor er zwei Jahre das Roosevelt College besuchte. Seine ersten Aufnahmen machte er 1947 und 1948 mit Claude Thornhill. Mit 21 Jahren war es dann so weit, er war Mitglied im berühmten Miles Davis/Gil Evans-Nonett, und somit Teil der Birth of the Cool Aufnahme. Diese Aufnahmen (1949-50) haben den Cool Jazz, der zu dem Zeitpunkt noch recht unbekannt war, einem größeren Publikum bekannt gemacht. Das besondere an dieser Aufnahme war weiterhin, dass Konitz als Weißer Teil dieser Aufnahmen war, obwohl es zu dem Zeitpunkt recht viele Schwarze, arbeitslose Altsaxophonisten gab. Ein Fakt, der Miles Davis zum Teil große Kritik in der schwarzen Bevölkerung einbrachte. Er antwortete: ”Zeigt mir einen schwarzen der so spielen kann wie Lee Konitz, und ich lasse ihn spielen.” Zur gleichen Zeit arbeitete er mit Lennie Tristano und Warne Marsh zusammen und nahm 1949 mit ihnen und Billy Bauer erste freie Improvisationen auf. Vorher waren die Soli tatsächlich komponiert worden. Besonders bei den Aufnahmen „Intuition“ und „Digression“, auf dem Album Crosscurrents ist diese freie Improvisation gut zu hören. Trotz seines künstlerischen Erfolges ging und geht er immer wieder bürgerlichen Tätigkeiten nach, um sich seine künstlerische Freiheit zu bewahren. So unterrichtet er immer noch, um sich nicht von Plattenlabels abhängig machen zu müssen. So war, und ist es ihm möglich Alben einzuspielen, ohne das die Gelder der jeweiligen Plattenfirma letztlich Einfluss auf das Ergebnis der Aufnahmen hatten, oder haben. Konitz nahm über 150 Alben auf, als Leader und als Sideman. In den 60’er und 70’er Jahren spielte Konitz hauptsächlich in kleinen Besetzungen, teilweise nur mit einem Pianisten. 1974 spielte er eine bis heute beachtenswerte Soloaufnahme „Lone Lee“ ein, welches die schon erwähnte ca. 40 Minütige freie Improvisation enthält. Bis heute tourt er regelmäßig durch die USA und Europa, ist oft in Studios mit jungen Musikern und spielt mit avancierten Musikern Avantgardeprojekte ein. Konitz, der zeitweise in Köln lebte, zeigt sich auch für Musik von Debussy, Satie und Bach offen. Diesmal ging er gemeinsam mit einem Streichquartett, dem Lee Konitz String Project und Ohad Talmorund, auf Tournee und improvisierte über die Musik des französischen Impressionismus. Im Jahre 2000 spielte Konitz, mit dem Brandenburgischen Staatsorchester, das für ihn geschriebene Konzert Prisma von Günter Buhles ein. Maßstabsetzende Duoaufnahmen zogen sich wie ein roter Faden durch sein Lebenswerk. Angefangen mit Billy Bauer, folgte die Zusammenarbeit mit Musikern wie Jim HallAlbert Mangelsdorff, Jiggs Whigham, Joe Henderson oder Pianist Frank Wunsch. Die neusten drei Studioaufnahmen sind mit dem dänischen Gitarristen Jakob Bro entstanden. Auch hier hört man immernoch die Neugierde, das Interesse des mittlerweile 86 Jährigen. Entsprechend seiner Bedeutung, ist die Liste der Empfehlungen diesmal etwas länger. Viel Spaß beim Hören.

Empfehlungen:

Lee Konitz Playlist des Autors bei Spotify
Lennie Tristano – Crossscurrents (Spotify)
Miles Davis  – Birth of the Cool (Spotify)
Konitz meets Mulligan (Spotify)
Lee Konitz with Warne Marsh (Spotify)
Miles Davis – Miles Ahead (Spotify)
Lee Konitz – An Image (Spotify)
Lee Konitz – Motion (Spotify)
Lee Konitz – Lone-Lee (Spotify)
Michel Petrucciani – Toot Sweet (Spotify)
Konitz & Mangelsdorf – The Art of the Duo (Spotify)
Lee Konitz & Frank Wunsch – S’Nice (Spotify)
Lee Konitz- Strings for Holiday (Konitz)
Lee Konitz & Bill Frisell – Efants Terribles (Spotify)
Jakob Bro – Balladeering (Spotify) – Time (Spotify) – December Song (Spotify)
Günter Buhles – Prisma Konzert für Alto Saxophon und Orchester (Youtube)

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Radical Face – Family Tree: The Branches

Zunächst einmal müssen wir uns bei Frau Bauerfeind und ihrer tollen Sendung bedanken, sonst würde dieses Album komplett an uns vorbeigegangen sein. Und das wäre nicht nur schade, das wäre eine Schande. Denn für das was da an die Ohren der Hörer gelangt ist das Wort ‘schön’ fast schon nicht ausreichend. Wundertoll würde es vielleicht eher treffen. Nun muss man vielleicht einmal vorwegschicken, dass es sich hierbei um den zweiten Teil einer Trilogie handelt die alle als ‚Family Tree‘ bezeichnet werden, und immer eine Familie musikalisch abarbeiten, in diesem Fall eben die Branches. Was einem da an Singer-Songwriterqualitäten um die Ohren gehauen wird, ist schon phänomenal. Wundertolle Melodien, die niemals in den seichten Pop abdriften. Wunderhübsch arrangierte Songs. Alles hat hier seinen Platz. Nichts ist zuviel, nichts zuwenig. Das gilt im Übrigen für das gesamte Album. Nichts würde ich hier weglassen wollen, jedes einzelne Stück würde ich vermissen, so es denn nicht da wäre. Ein homogenes, geschlossenes Album mit einer Geschichte mit vielen Geschichten. Die Geschichten der Familie Branche. Das alles ist so wunderbar rührend vorgetragen, dass man vor Freude gar nicht weiß wohin mit all den Superlativen, die einem sofort beim Hören dieses Albums einfallen. Wenn man des englischen ein wenig kundig ist, dann darf man sich gern von den erzählerischen Fähigkeiten des Ben Cooper überzeugen lassen.  Er ist ein nämlich ein „Storyteller“ im besten Sinne. Wenn man also mag, dann nimmt einen das Album mit in die Welt der Familie Branche, und man träumt sich zu den toll erzählten Geschichten die dazugehörenden Bilder. Alles das ist so wunderhübsch erzähltsungen, dass es einem die Sprache verschlägt. Dieses ruhige, von der Musikkritik zu unrecht ignorierte, Album, ist es Wert gehört zu werden.

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Toy – Join The Dots

Toy ist eine britische Band. Sie spielt  meist eine Mischung aus Indie-Rock und Psychedelic, und kommt aus Brighton. Sie wurde  2010 von Schulfreunden gegründet.

‚Join The Dots‘ heißt das zweite Werk der jungen Menschen aus Brighton. Obwohl es ein wenig schwerfällig daherzukommen scheint, ist die Stimmung auf diesem Album alles andere als Düster. Eine hübsche Fröhlichkeit umspült einen da, auch wenn sich die einem nicht gleich beim ersten Hören aufdrängt. Nachdem man seitens der einschlägig bekannten und vorbestraften Musikkritikerschaft mit Lob überschüttet wurde, was ja meistens auch gleichermaßen bedeutet, dass einem der kommerzielle Erfolg verwehrt bleibt, hat man beschlossen sich bei den Aufnahmen zum zweiten Album mal richtig Zeit zu lassen. Also verbrachte man statt zwei, nun ganze vier Wochen damit dem Album zu musikalischen Höhenflügen zu verhelfen. Und siehe da, die Mühen könnte sich gelohnt haben. Denn im Gegensatz zum ersten Album, ist das neue Werk der Band ein wenig runder geraten. Es ist etwas anschmiegsamer, zugänglicher und direkter geworden. Das lässt sich vor allem an den mittlerweile sehr viel eingängigeren Melodien des jeweiligen Stückes festmachen. Es beginnt mit einer wunderhübschen psychedelischen Stimmung, die einen sofort in seinen Band zieht. Hat das Album den Hörer dann erstmal für sich gewonnen, wird es in der zweiten Hälfte denn auch ein wenig mutiger. Sogar 90’er Jahre Pavement Anleihen mag der ein oder andere da vernehmen. Sogar tanzbares wird dem Hörer musikalisch unter den Baum gelegt. Schön. Da hört man den Typen aus Brighton richtig an wieviel Spaß ihnen das ganze gemacht haben muss. Und wo wir gerade dabei sind. Spaß macht das Hören dieses Albums auf jeden Fall. Richtig hübsches Album.

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