Warpaint – Warpaint

Es gibt so Alben da weiß man am Anfang nicht so recht was man schreiben soll, weil es einem schwer fällt etwas zu finden über das man schreiben kann. Dann wieder gibt es Alben da weiß man sofort was man schreiben will, weil das Album sich einem in seiner Gänze öffnet und man genau weiß was man sagen will. Dann wiederum gibt es Alben bei denen gibt es so viel zu schreiben, dass man nicht weiß wo man anfangen soll. Dieses ist so ein Album, so eine Band.

Begeben wir uns mal alle in das Jahr 2004. Da gründete sich eine Band namens Warpaint in einer Stadt namens Los Angeles. Nach einigen Umbesetzungen fand die Band zu Ihrer heutigen Besetzung. Emily Kokal (Gitarre/Keyboards) und Theresa Wayman (Gitarre/Keyboards) kennen sich bereit aus der Schule und kommen beide aus Eugene/Oregon. Die Geschwister Jenny Lee Lindberg (Bass) und Shannyn Sossamon (Drums) kommen aus Reno/Nevada. Diese vier haben 2008 dann in dieser Besetzung EP Exquisite Corpse rausgebracht, die die Kritiker begeistert aufgenommen haben. In eben jenem Jahr hat Shannyn dann die Band verlassen um sich auf ihre Schauspiel-Karriere zu konzentrieren. Seit dieser Zeit ist Stella Mozgawa, eine Australierin, die Schlagzeugerin der Band, und die endgültige Formation hatte sich gefunden. 2010 kam das umjubelte Debütalbum The Fool raus und verzückte die Musikkritik auf’s neue. Ohrwurmiger, Psychedelischer, Postrockiger, Pop, den man so noch noch gehört hatte. Die Songs sind alle samt und sonders einfach entstanden weil sie, wie die Band glaubhaft vermittelt, einfach mal während des Spielens entstanden sind. Aus dem Jam heraus ein Album herauspurzeln lassen, wenn man so will. Erinnerungen an The Cure und Joy Division wurden ein wenig wach. Auch bei mir. Das ganze ist nun auch schon wieder vier Jahre her. Die Band war enorm lange auf Tournee und hat Ihre musikalischen Fähigkeiten und Erfahrungen damit natürlich nochmals steigern können. Und so war man natürlich gespannt was die vier Damen sich nun für das neue Album haben einfallen lassen. Das erste was man diesmal gemacht hat, man ist in die Wüste gegangen, genauer gesagt nach Joshua Tree. Das ist eine Kleinstadt in Kalifornien, die ungefähr 200 von L.A. entfernt ist. Hier haben auch schon Queens of the Stone Age zwei Alben aufgenommen. Dahin hat man sich also nun aufgemacht. In die Einöde. Auf das es die Kreativität fördern möge. Das mit dem Jam spielte auch hier eine Rolle, auch wenn man dazu übergegangen ist tatsächlich klassisch zusammen Songs zu schreiben. Also Ideen zusammenzutragen und dann das Ganze zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen. Nichts desto trotz musste man sie bisweilen dann schon wieder bremsen, wenn sie zum Beispiel 40 minütige Versionen Ihrer Lieder im Studio zum besten gegeben hatten. Wie auch immer diese Songs im einzelnen entstanden sind, sie sind auf jeden Fall das Ergebnis der Band, und das hört man. Soviel Homogenität. Soviel Einklang im Vielklang. Soviel individuelles Können, was am Ende dann zu einem großen ganzen geformt wird, hört man schon nicht oft. Das hier ist schon mal kein Egotripp irgendeines sich selbst verwirklichen wollenden Individuums. Das hier ist das Ergebnis einer Band. Einer herausragenden Band. Die Kombination aus Schlagzeug und Bass sucht ihresgleichen und ich für meinen Teil halte sie für das Beste was es zu Zeit gibt. Die beiden Gitarristinnen spielen anscheinend so leicht und perlend die Noten dahin, dass man fast das Gefühl haben könnte, dass sie sich dabei nicht mal anstrengen müssten. Was man hier zu hören bekommt ist das beste was ich in den letzten Jahren gehört habe. Ich weiß im Moment auch immer noch nicht mit was ich es vergleichen könnte. Es ist ein Album was einen von der ersten Sekunde an in seinen Bann zieht. Einen nicht mehr los lässt, und eine mitnimmt auf eine Reise in die musikalische Glückseligkeit bevor man überhaupt begriffen hat, dass man irgendwo eingestiegen wäre. Wie Mogwai hat auch Warpaint die Synthesizer für sich noch mal neu entdeckt und weiß sie für sich geschickt einzusetzen. Ein weiterer Glanzpunkt dieses Albums in dem nichts zuviel, nichts zuwenig, sondern alles genau richtig ist. Die Musik ist von soviel lyrischer Zärtlichkeit und entwaffnender Brachialität  durchsetzt, dass es einem den Atem verschlägt. Man kann sich nicht wehren gegen diese Entrückung der man innerhalb von Sekunden anheim fällt, die im Laufe des Albums immer weiter Raum greift und einen am Ende des Albums einfach völlig benebelt zurücklässt. Das ganze changiert von Postrock zu Psychedelic über Progressivepop zu Dancefloor. Und man ist geneigt es Postprogressivepsychedlicdancefloorpop zu nennen. Der Begriff ist zu lang, aber alles andere wäre zu kurz und würde diesem Album nicht gerecht werden. Es lässt einen zuhören. Es lässt einen versinken. Es lässt einen Tanzen. Man will es immer noch mal hören. Man bekommt nicht genug von diesem Album. Ich würde diesem Album gerne 20/10 Punkten geben. Der männliche Rock ’n Roll ist tot, es lebe der weibliche, zärtliche, feminine Rock ’n Roll, der nicht unbedingt von Frauen kommen muss. Tocotronic beweisen das schon seit längerem. In diesem Fall kommt er von Frauen die das Beste Album der letzten Jahre gemacht haben. So gut, dass selbst der NME ihnen 9/10 Punkten geben musste. Wenn sie Britinnen wären, hätten sie 10 bekommen. Ich gebe ihnen nicht nur 10 Punkte sondern wünsche mir mehr von ihnen. Es ist das großartigste Werk was ich seit langem hören durfte, und ich bin obwohl ich soviel geredet habe im Grunde Sprachlos.

Homepage der Band

Das Album bei Spotify

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.