Frohe Festtage!

Liebe Menschen,

hier noch ein paar musikalische Anregungen für die nächste Zeit:

Felix Mendelssohn hätte da was anzubieten. ‚Vom Himmel Hoch‚ ist ein wunderbares Stück Musik.

Auch Hector Berlioz hat was hübsches geklöppelt: ‚L’Enfance du Christ‚. Hier wird halt auf die Geburt Verzichtet aber immerhin die Kindheit des kleinen Menschen aus Nazareth musikalisch untermalt.

Und für alle – egal ob nun mit oder ohne Glaube – gibt’s natürlich Pjotr Iljitsch Tschaikowski und die ‚Nussknacker-Suite‚. Immer wieder toll. Wunderschöne Melodien. Großartig.

Da dürfte so ziemlich für alle Menschen was dabei sein, hoffe ich. In diesem Sinne: Euch allen, ein paar schicke Festtage!

M.I.A. – Matangi

Da ist es nun also, das vierte Album von M.I.A. Eigentlich wäre das erstmal nur eine Zahl wenn es nicht ein Jahr zu spät auf den Markt gekommen wäre. Unstimmigkeiten mit ihrer Plattenfirma sind, laut Aussage M.I.A.s, der Grund für das etwas verspätete Erscheinungsdatum. Sie drohte sogar damit das Album selbst in’s Internet zu stellen. Straßenkämpfer-Parolen, Ghetto-Attitüde und Kunst. Das brachte bis jetzt nur Kayne West ansatzweise auf einem Album zusammen. M.I.A. kann das auch, nur besser, Intelligenter. Eines wird von vornherein klar, sie ist dagegen. Eine Einstellung mit der es Tocotronic immerhin schon zu recht bemerkenswertem Ruhm gebracht hat, auch wenn die natürlich musikalisch ganz woanders zu verorten sind. Und so schimpft und zetert sie was das Zeug hält. Gegen die Plattenfirmen, Google, Zensur im Internet und die entsprechenden Portale, weil ihre Videos dort nur zum Teil, geschnitten oder gar nicht gezeigt werden. Sie kann aber auch hie und da dafür sein, z.B wenn sich verbal auf diesem Album für Frauenrechte im Nahen Osten einsetzt. „Die Wut ist jung“, würde Lore Lorenz wohl sagen. Und wütend das ist M.I.A., und das nimmt man ihr auch ab. Und diese Wut äußert sich sowohl sprachlich als auch musikalisch. Das was hier brachial an Sounds aus den Lautsprecherboxen an’s geneigte Ohr kommt, ist auch musikalisch authentisch. Wunderbar. Donnernde indische Instrumente, sorgen für eine weitere besondere Note dieses Albums. Es wird geomt, gechort, geglockt, gehämmert, gewabert, gebasst und gepoltert wie nur was. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Ironie und der Spott nie zu kurz kommen.“Y.A.L.A.“, steht schlicht und ergreifend für „You always live again“, ein herrlicher Seitenhieb gegen den unfassbar blödsinnigen YOLO-Slogan, der an Stumpfsinnigkeit nicht zu überbieten ist. Das tolle ist, das man bei M.I.A. verbal genau weiß woran man ist. Musikalisch hingegen ist das, trotz der einjährigen Verspätung immer noch frisch, und zwar so frisch, dass es einem Kayne West, an der ein oder anderen Stelle, schon ein wenig schwindelig werden könnte. Stücke, die man glaubt nach einer Minute ungefähr verorten zu könne, belehren einen nach ca. 3 Minuten oftmals eines besseren. Diese Musik ist anstrengend. M.I.A. ist anstrengend. Ihre Haltung ist anstrengend. Kunst ist anstrengend. Gut so. Dieses Album hat es geschafft am Puls der Zeit zu sein, und zwar so sehr, dass man die Geschichte mit dem einem Jahr und dem verspäteten Erscheinen, irgendwie nicht so recht glauben mag. Wie dem auch immer sei. Es ist ein relevantes Album, einer relevanten Künstlerin, die relevantes zu sagen hat. In diesem Sinne, volle Punktzahl.

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Benjamin Herman

Heute soll es mal wieder um den Jazz gehen, aber mal nicht um irgendeinen der Klassiker, sondern um einer der jungen, neuen, hübschen, guten, tollen Jazzmusiker. Es soll um Benjamin Herman gehen. Er wurde 1968 in London geboren, ist ein niederländischer Jazz-Saxophonist und Komponist. Er spielt seit seinem 12. Lebensjahr Saxophon, hat das Studium am Konservatorium mit “Cum Laude“ abgeschlossen und spielte schon mit so illustren Menschen wieCandy DulferJan Akkerman oder auch Paul Weller zusammen. Und was er macht, das macht er richtig gut. Auf dem Album The Itch, zusammen mit dem Schlagzeuger Han Bennink, geht’s sehr avantgardistisch zu. Ich mag Avantgarde. Ich weiß aber auch, dass für viele Menschen sowohl der Begriff, als auch die musikalischen Ergüsse dieser Richtung, eher abschreckend wirken. Wenn es dann auch noch um Jazz geht winken die meisten doch eher müde ab. Auf den anderen Alben geht es dann aber doch eher um Cool Jazz. Und der hat es in sich. Das was der junge Mensch aus den Niederlanden da auf’s Vinyl, auf die silberne Scheibe oder auf die MP3-Playlist zaubert, ist enorm. Die HerrnTristanoKonitz und Davis hätten ihre wahre Freude an dem was da musikalisch an die Ohren des geneigten Zuhörers gelangt. Er spielt so Cool und gut, dass man sich an die großen Vorbilder erinnert fühlt ohne das er sie kopiert. Er spielt diesen Jazz so das man ihn wiedererkennt, hört sich dabei aber immer nach Benjamin Herman an. Ein Original, keine Kopie. Unterstützt wird er dabei von grandiosen Mitspielern. Auf seinem Album Heterogeneity vom Pianist Misha Mengelberg und dem Trompeter Bert Joris. Auf The London Session von Bart van Lier und Stan Tracey. Das was dieser Mensch da macht ist mehr als “alt auf neu”. Endlich mal wieder was innovatives aus dem Hause Jazz. Als wenn das alles nicht schon genug wäre, hat er auch noch eine Band in größerer Besetzung gegründet das New Cool Collective. Außer Benjamin Herman spielen hier noch Joost Kroon (Drums), Frank van Dok (Percussion), Willem Friede (Keyboard/Arrangeur), Jos de Haas (Percussion), Leslie Lopez (Bass) und David Rockefeller (Trompete) als feste Mitglieder des Ensembles mit. Die Menschen werden mit einer Mischung aus Latin, Cool, Soul, Ethno und Jazz bespielt. Und diese Band hat Groove, und zwar dermaßen, dass es einen kaum auf den Sitzen hält. Der Beat treibt, und die Bläser rocken, soulen und jazzen, dass es nur so knallt. Eine große Besetzung in Zeiten wie diesen, die dann auch noch modern klingt, das grenzt schon an ein Wunder. Es werden Effekte desDub genauso eingesetzt wie die des FunkScratchen darf hier genauso wenig fehlen wie gesungene, hübsche, kleine Nummern die an die 50’er erinnern. Herrlich! Und als wenn das alles auch schon wieder nicht genug wäre, gibt es ‘New Cool Collective’ auch noch als Big Band. Ja genau, eine Big Band im Jahre 2013, und die spielt nicht Dinge von anno dazumal nach, sondern hat auch wieder eigene Nummern auf Lager.  Zwei Altsaxophone, ZweiTenorsaxophone, ein Baritonsaxophon, ein Basssaxophon, vier Trompeten und vier Posaunen. Des Weiteren eine Gitarre, ein Fender RhodesPercussion,CongasSchlagzeug und Gesang. So. Dass das Mutig ist, und das ein oder andere an Geld kostet, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Wer also Lust hat aktuellen Jazz zu hören und nicht immer nur die alten Klassiker rauf und runter hören mag, der möge sich die Damen und Herren um den guten Herrn Herman anhören, und staunen was da so geht im Jahre 2013. Ich jedenfalls war erstaunt und bin begeistert. Man wird das ein oder andere Album noch mal bei den Quasselstrippen besprechen müssen. 😉

Besonders empfehlenswert (nach Meinung des Autors):

Solo:

The London Session (Spotify) (Amazon)

Campert (Spotify) (Amazon)

Deal (Spotify) (Amazon)

Cafe Solo (Spotify) (Amazon)

New Cool Collective:

Trippin’ (Spotify) (Amazon)

Out of Collective (Spotify) (Amazon)

Chin Chin (Spotify) (Amazon)

New Collective Big Band:

Pachinko (Spotify) (Amazon)

Live (Spotify) (Amazon)