Lee Konitz

1927 in Chicago, Illinois, USA ist ein Altsaxophonist des Jazz in seiner Gänze, denn er hat sich so ziemlich allen Stilrichtungen angenommen, die es so innerhalb des Jazz gibt.  Das besondere an Konitz war, dass er den einzigen originären Beitrag zur Entwicklung des Jazz, zum Zeitpunkt des Wirkens von Charlie Parker, darstellte.  Seine Soli sind von einer unfassbaren Kreativität geprägt, was man u.a. an Aufnahmen festmachen kann, welche ca. 40 Minuten lang sind, und die nichts anderes beinhalten als ein Solo von eben jenem Lee Konitz. Neben Lennie Tristano war Konitz der  bedeutendste Cool-Jazz-Innovator. Und das alles noch bevor Miles Davis sich des Cool Jazz annahm. Musiker wie Paul Desmond oder Bill Evans ebenso wie Hans Koller und Albert Mangelsdorff und schließlich sogar Avantgardisten wie Anthony Braxton sind stark von Konitz beeinflusst worden. Eigentlich begann Konitz seine musikalische Laufbahn, indem er anfing Klarinette zu spielen, das mag vielleicht auch der Grund sein, weswegen er diesen recht eigenen Ton hat, der für einen Saxophonisten doch eher ungewöhnlich ist. Bei Paul Desmond, der ebenfalls von der Klarinette kam, sollte sich das noch stärker auswirken. Manchmal spielen die beiden nämlich einfach nur Klarinette auf dem Saxophon. Quasi Klarinettleske, wenn man so will. 1939 wechselte Konitz dann zum Tenorsaxophon. Bis er schließlich als Altsaxophonist bei Teddy Powell und Jerry Wald tätig war, bevor er zwei Jahre das Roosevelt College besuchte. Seine ersten Aufnahmen machte er 1947 und 1948 mit Claude Thornhill. Mit 21 Jahren war es dann so weit, er war Mitglied im berühmten Miles Davis/Gil Evans-Nonett, und somit Teil der Birth of the Cool Aufnahme. Diese Aufnahmen (1949-50) haben den Cool Jazz, der zu dem Zeitpunkt noch recht unbekannt war, einem größeren Publikum bekannt gemacht. Das besondere an dieser Aufnahme war weiterhin, dass Konitz als Weißer Teil dieser Aufnahmen war, obwohl es zu dem Zeitpunkt recht viele Schwarze, arbeitslose Altsaxophonisten gab. Ein Fakt, der Miles Davis zum Teil große Kritik in der schwarzen Bevölkerung einbrachte. Er antwortete: ”Zeigt mir einen schwarzen der so spielen kann wie Lee Konitz, und ich lasse ihn spielen.” Zur gleichen Zeit arbeitete er mit Lennie Tristano und Warne Marsh zusammen und nahm 1949 mit ihnen und Billy Bauer erste freie Improvisationen auf. Vorher waren die Soli tatsächlich komponiert worden. Besonders bei den Aufnahmen „Intuition“ und „Digression“, auf dem Album Crosscurrents ist diese freie Improvisation gut zu hören. Trotz seines künstlerischen Erfolges ging und geht er immer wieder bürgerlichen Tätigkeiten nach, um sich seine künstlerische Freiheit zu bewahren. So unterrichtet er immer noch, um sich nicht von Plattenlabels abhängig machen zu müssen. So war, und ist es ihm möglich Alben einzuspielen, ohne das die Gelder der jeweiligen Plattenfirma letztlich Einfluss auf das Ergebnis der Aufnahmen hatten, oder haben. Konitz nahm über 150 Alben auf, als Leader und als Sideman. In den 60’er und 70’er Jahren spielte Konitz hauptsächlich in kleinen Besetzungen, teilweise nur mit einem Pianisten. 1974 spielte er eine bis heute beachtenswerte Soloaufnahme „Lone Lee“ ein, welches die schon erwähnte ca. 40 Minütige freie Improvisation enthält. Bis heute tourt er regelmäßig durch die USA und Europa, ist oft in Studios mit jungen Musikern und spielt mit avancierten Musikern Avantgardeprojekte ein. Konitz, der zeitweise in Köln lebte, zeigt sich auch für Musik von Debussy, Satie und Bach offen. Diesmal ging er gemeinsam mit einem Streichquartett, dem Lee Konitz String Project und Ohad Talmorund, auf Tournee und improvisierte über die Musik des französischen Impressionismus. Im Jahre 2000 spielte Konitz, mit dem Brandenburgischen Staatsorchester, das für ihn geschriebene Konzert Prisma von Günter Buhles ein. Maßstabsetzende Duoaufnahmen zogen sich wie ein roter Faden durch sein Lebenswerk. Angefangen mit Billy Bauer, folgte die Zusammenarbeit mit Musikern wie Jim HallAlbert Mangelsdorff, Jiggs Whigham, Joe Henderson oder Pianist Frank Wunsch. Die neusten drei Studioaufnahmen sind mit dem dänischen Gitarristen Jakob Bro entstanden. Auch hier hört man immernoch die Neugierde, das Interesse des mittlerweile 86 Jährigen. Entsprechend seiner Bedeutung, ist die Liste der Empfehlungen diesmal etwas länger. Viel Spaß beim Hören.

Empfehlungen:

Lee Konitz Playlist des Autors bei Spotify
Lennie Tristano – Crossscurrents (Spotify)
Miles Davis  – Birth of the Cool (Spotify)
Konitz meets Mulligan (Spotify)
Lee Konitz with Warne Marsh (Spotify)
Miles Davis – Miles Ahead (Spotify)
Lee Konitz – An Image (Spotify)
Lee Konitz – Motion (Spotify)
Lee Konitz – Lone-Lee (Spotify)
Michel Petrucciani – Toot Sweet (Spotify)
Konitz & Mangelsdorf – The Art of the Duo (Spotify)
Lee Konitz & Frank Wunsch – S’Nice (Spotify)
Lee Konitz- Strings for Holiday (Konitz)
Lee Konitz & Bill Frisell – Efants Terribles (Spotify)
Jakob Bro – Balladeering (Spotify) – Time (Spotify) – December Song (Spotify)
Günter Buhles – Prisma Konzert für Alto Saxophon und Orchester (Youtube)

Radical Face – Family Tree: The Branches

Zunächst einmal müssen wir uns bei Frau Bauerfeind und ihrer tollen Sendung bedanken, sonst würde dieses Album komplett an uns vorbeigegangen sein. Und das wäre nicht nur schade, das wäre eine Schande. Denn für das was da an die Ohren der Hörer gelangt ist das Wort ‘schön’ fast schon nicht ausreichend. Wundertoll würde es vielleicht eher treffen. Nun muss man vielleicht einmal vorwegschicken, dass es sich hierbei um den zweiten Teil einer Trilogie handelt die alle als ‚Family Tree‘ bezeichnet werden, und immer eine Familie musikalisch abarbeiten, in diesem Fall eben die Branches. Was einem da an Singer-Songwriterqualitäten um die Ohren gehauen wird, ist schon phänomenal. Wundertolle Melodien, die niemals in den seichten Pop abdriften. Wunderhübsch arrangierte Songs. Alles hat hier seinen Platz. Nichts ist zuviel, nichts zuwenig. Das gilt im Übrigen für das gesamte Album. Nichts würde ich hier weglassen wollen, jedes einzelne Stück würde ich vermissen, so es denn nicht da wäre. Ein homogenes, geschlossenes Album mit einer Geschichte mit vielen Geschichten. Die Geschichten der Familie Branche. Das alles ist so wunderbar rührend vorgetragen, dass man vor Freude gar nicht weiß wohin mit all den Superlativen, die einem sofort beim Hören dieses Albums einfallen. Wenn man des englischen ein wenig kundig ist, dann darf man sich gern von den erzählerischen Fähigkeiten des Ben Cooper überzeugen lassen.  Er ist ein nämlich ein „Storyteller“ im besten Sinne. Wenn man also mag, dann nimmt einen das Album mit in die Welt der Familie Branche, und man träumt sich zu den toll erzählten Geschichten die dazugehörenden Bilder. Alles das ist so wunderhübsch erzähltsungen, dass es einem die Sprache verschlägt. Dieses ruhige, von der Musikkritik zu unrecht ignorierte, Album, ist es Wert gehört zu werden.

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Toy – Join The Dots

Toy ist eine britische Band. Sie spielt  meist eine Mischung aus Indie-Rock und Psychedelic, und kommt aus Brighton. Sie wurde  2010 von Schulfreunden gegründet.

‚Join The Dots‘ heißt das zweite Werk der jungen Menschen aus Brighton. Obwohl es ein wenig schwerfällig daherzukommen scheint, ist die Stimmung auf diesem Album alles andere als Düster. Eine hübsche Fröhlichkeit umspült einen da, auch wenn sich die einem nicht gleich beim ersten Hören aufdrängt. Nachdem man seitens der einschlägig bekannten und vorbestraften Musikkritikerschaft mit Lob überschüttet wurde, was ja meistens auch gleichermaßen bedeutet, dass einem der kommerzielle Erfolg verwehrt bleibt, hat man beschlossen sich bei den Aufnahmen zum zweiten Album mal richtig Zeit zu lassen. Also verbrachte man statt zwei, nun ganze vier Wochen damit dem Album zu musikalischen Höhenflügen zu verhelfen. Und siehe da, die Mühen könnte sich gelohnt haben. Denn im Gegensatz zum ersten Album, ist das neue Werk der Band ein wenig runder geraten. Es ist etwas anschmiegsamer, zugänglicher und direkter geworden. Das lässt sich vor allem an den mittlerweile sehr viel eingängigeren Melodien des jeweiligen Stückes festmachen. Es beginnt mit einer wunderhübschen psychedelischen Stimmung, die einen sofort in seinen Band zieht. Hat das Album den Hörer dann erstmal für sich gewonnen, wird es in der zweiten Hälfte denn auch ein wenig mutiger. Sogar 90’er Jahre Pavement Anleihen mag der ein oder andere da vernehmen. Sogar tanzbares wird dem Hörer musikalisch unter den Baum gelegt. Schön. Da hört man den Typen aus Brighton richtig an wieviel Spaß ihnen das ganze gemacht haben muss. Und wo wir gerade dabei sind. Spaß macht das Hören dieses Albums auf jeden Fall. Richtig hübsches Album.

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Minor Alps – Get There

Minor Alps ist ein musikalisches Projekt zweier Musiker. Zum einen Juliana Hatfield, geboren 1967 in  Maine/USA. Sie spielt Gitarre und schreibt eigene Songs. Sie spielte in der Indie Rock Band Blake Babies und in der Band Some Girls. Danach begann sie eine Solokarriere. Matthew Caws, geboren 1967 in New York City ist Sänger und Gitarrist der  Pop-Rock Band Nada Surf. Gemeinsam starteten sie 2013 das Projekt „Minor Alps“.

 

Erstes Album heißt Get There. Ein wenig Düster kommt es daher, das Cover ihres Debüt Albums. Keine Sorge ganz so bedrohlich wie das Cover es vermuten lässt, es erinnert ein wenig an das Bild ‘Die Toteninsel’ von Arnold Böcklin, welches durch Sergej Rachmaninoff durch das gleichnamige Stück bekannt wurde, ist die Musik dann nun doch nicht. Im Gegenteil. Das ganze ist eine hübsche Mischung aus elektronischem Folk, traditionellem amerikanischem Songwriter Sound und schicker, balladiger Countrymusic. Ein wenig lauter wird es auf hier nur ganze zweimal. Zum einen gibt es da das Stück “I Don’t Know What To Do With My Hands”. Da geht es dann sogar mal ein wenig in Richtung Indie-Noise. Zum anderen das etwas konventioneller, und somit auch klassisch rockiger geratene “Mixed Feelings”. Ansonsten bedient man sich der ruhigeren Töne, mit akustischen Gitarren und hübschen Melodien, die so recht in das Vorweihnachtlich gestimmte Ohr passen, und sich dort auch recht hübsch einnisten und bei dem ein oder anderen mit Sicherheit auch ein wenig verweilen. Melodie können die beiden, und das ein oder andere Stück auf diesem Album ist sogar recht spannend arrangiert. Sogar ein  elektronisches Schlagzeug findet sich hie und da auf diesem Album wieder. Trotzdem wird man nie mit irgendwas belästigt, das würde auch gar nicht zu einer musikalischen Veröffentlichung von Matthew Caws passen, der nun wahrlich nicht bekannt dafür ist in neue unentdeckte Sphären aufzubrechen. Das macht aber nichts. Dieses Album stimmt einen milde und macht das man entspannt zuhört. Es will nicht das man zur Musik kommt. Die Musik kommt zu einem, ohne sich dabei gar zu sehr in’s Rampenlicht zu stellen, um jeden Preis auffallen zu wollen oder isch aufzudrängen. Ein besseres Album kann es für die besinnliche Vorweihnachtszeit fast nicht geben. Ich bin also genauso milde gestimmt wie die Musik auf diesem Album und bin deswegen sehr erfreut ob der schicken Melodien auf diesem Album.

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Wooden Shjips – Back to Land

Psychedelic in Zeiten wie diesen ist schon eine seltene Herangehensweise sich musikalisch zu artikulieren. Eigentlich ist das ja alles seit den 70’er Jahren vorbei. Wären da nicht Bands wie Wooden Shjips die es immer wieder verstehen dieses etwas antiquiert erscheinende Musik immer wieder neu zum Leben zu erwecken und sie mit neuen Zutaten zu würzen. Der Schuss Rock ’n‘ Roll tut dieser Musik gut, und nimmt ihr etwas von der Schwere. Außerdem Lichtet er ein wenig die ein oder andere Rauschschwade, die einem schon mal süßlich entgegenzukommen scheint, wenn man dieser Musik so lauscht. Mit jedem neuen Album wurden neue Möglichkeiten aufgetan, Psychedelic-Rock in die Gegenwart zu hieven und in kleine, hübsche  Meisterwerke zu verwandeln. Das ist ihnen auch auf diesem Album wieder gelungen. ‘Back To Land’ ist das erste Album welches nicht in San Francisco aufgenommen wurde oder dort entstanden ist. Portland ist das neue Domizil der Band, und das hört man auch. Etwas weniger Erde. Etwas mehr Himmel könnte man sagen, um mal im korrektem Duktus zu bleiben. Das Dunkel wurde auf diesem Album ein wenig gelichtet, und so trauen sich unsere amerikanischen Freunde denn auch mal in Lichtdurchfluteten musikalischen Räume zu spielen. Das deutete sich zwar schon hie und da auf den letzten Alben an, aber so richtig getraut hatte man sich bis dato nicht. Überhaupt ist der gesamte Sound souveräner geworden. Man traut sich mehr zu, und scheint irgendwie angekommen zu sein. Zum Teil hat man der Gitarre den Strom entzogen, und spielt sie entsprechend akustisch. Und das ist dann Wunderschön.  Dennoch gibt es natürlich verzerrte Gitarrenriffs, modale Keyboards und herrlich intensive Drum-Sounds. Immer wieder Melodien die im Hintergrund laufen, sich in den Vordergrund stellen, nur um anschließend wieder im Hintergrund zu agieren. Das ist hübsch, detailreich und toll. Dieses Album wurde innerhalb von elf tagen am Stück produziert, also rasend schnell. Ich denke das ist einer der Gründe warum das Album so frisch wirkt. So wenig verbraucht oder verstaubt. Es macht Spaß dieser Band beim schwelgen in ihren musikalische Sphären zuzuhören. Das Album macht Süchtig nach mehr. In diesem Sinne. Kinder nehmt diese Droge der musikalischen Art. Tolles Album. Tolle Band.

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Jake Bugg – Shangri La

Shangri La heißt das neue Album von Jake Bugg. Das Debüt des jungen Künstlers wurde seinerzeit ja überschwänglich von der Musikpresse über den grünen Klee gelobt. Nun also das Nachfolgealbum. So wie es im Fußball die Saison nach der Saison gibt, so gibt es in der Musik das Album nach dem Album. Was macht er also nun auf dem zweiten Album? Der als Retter der britischen Musik auserkorene. Ändert er seinen Stil? Wird er auf dem zweiten Album das überschwängliche Lob des ersten Albums bestätigen können? Zunächst ist dieses Album mal in Kalifornien aufgenommen und nicht im verregneten Nordengland. Ein gewisser Herr Rick Rubin, der schon anderen Künstlern das ein oder andere Album geklöppelt hat, sitzt hier an den Reglern. Einer der wichtigsten Produzenten der letzten 20 Jahre. Einige Gastmusiker haben sich eingefunden um auf diesem Album ihren musikalischen Beitrag zu leisten. Namentlich erwähnt seien hier die Herren von den Red Hot Chili Peppers. Insgesamt gibt es auf diesem Album mehr elektrisch Verstärktes als auf dem letzten Album, was wohl einer der Dinge ist, die man getrost Rick Rubin zuschreiben darf. Das erste Album war etwas zurückhaltender. Dieses geht mehr nach vorne warum auch nicht? Eine lange Tournee und die Zusammenarbeit mit Rubin haben offensichtlich dazu geführt, dass der junge Mann sich genug Selbstbewusstsein erspielt und erarbeitet hat, um musikalisch und somit auch persönlich aus sich herauszukommen. Das nennt man wohl “sich weiter entwickeln”. Und diese Entwicklung scheint noch lange nicht abgeschlossen. Der Mann ist knapp 20 Jahre alt. Da kann einem schon fast ein wenig Angst und Bange werden vor dem was da noch kommen mag. Das neue Album bleibt nicht stehen, es geht weiter. Es sucht und findet neue klangliche Wege. Es bleibt nie stehen. Es ist neu, es ist frisch, es ist heiß und es ist toll. Hier hat sich einer auf den Weg gemacht, um sich neue Horizonte zu erschließen, zu erspielen und zu erfahren. Wenn das so weitergeht weiß ich nicht was auf dem nächsten Album passiert. Man darf gespannt sein, was dieser neugierige, offene junge Mensch noch musikalisch für uns bereithält. Was dieses  Album angeht, so ist es ein mehr als würdiger Nachfolger für das Erstlingswerk, was übrigens einfach nur seinen Namen trägt. Der Retter ist da. Der Messias ist Ihnen erschienen und hat UK für dieses Jahr gerettet und rehabilitiert. Großartig!

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Paul Desmond

Paul Desmond wurde 1924 in San Francisco geboren, und starb 1977 in New York City. Bekannt wurde er durch das Dave Brubeck Quartet (er verfasste dessen größten Hit, Take Five), in dem er seit dessen Gründung im Jahr 1951 bis 1967 spielte.

Paul Desmond ist der Meister der Melodiösität, der tiefverwobenen Linien, die zwar unendlich Komplex sind, aber dabei immer dermaßen eingängig, dass man überhaupt nicht merkt was dieser tolle Alt Saxophonist einem da an Skalen und Harmonien um die Ohren haut. So luftig, so lyrisch, so leicht, so schwebend und so charmant konnte kein anderer solieren. Hier entfaltet sich eine Melodie nach der anderen. Das sind keine Soli, das sind im Grunde eigene Lieder die Paul Desmond uns da vor soliert. Das dürfte einzigartig sein. Dieser Stil, den Paul Desmond da pflegt ist so außergewöhnlich, dass selbst ungeübte Ohren Desmond sofort erkennen. Seine Soli sind ein wunderbarer Einblick in die zarte Seele dieses Künstlers. Desmond ist einer von den ruhigen, den schüchternen, den leisen. Niemals lässt er bei einem das Gefühl aufkommen, dass er mit schnellen Läufen, extrovertiertem Spiel oder Lautstärke auf sich aufmerksam machen will. Seine Soli schreien einen nicht an, sie nehmen einen mit, mit auf eine Reise durch Melodie und Stimmung die er immer an das jeweilige Stück angepasst hat, was er gerade spielte. Der Blues war ihm genau so nah wie Bach. Es gab natürlich Menschen die ihm das neiden. Es gab Menschen die ihm deswegen immer mal wieder Belanglosigkeit oder gar Banalität unterstellten. Das er genau das Gegeteil von alledem war, mochten und wollten sie nicht hören. Desmonds Art Saxophon zu spielen, den Jazz zu spielen, Stücke zu komponieren und zu interpretieren, waren in einem hohen Maße seiner feingeistigen Art geschuldet. Kompliziert kann eben auch hübsch sein. Ein Ansatz, wie er nur sehr selten im Jazz zu finden ist. Ein einzigartiger Künstler der auch außerhalb der Musik mit Klugheit und Stil zu gefallen wusste. Etliche Zitate von Ihm sprechen da Bände. 16 Jahre hat er an der Seite von Dave Brubeck gespielt, und es gab nicht wenige die in Ihm den eigentlichen Spiritus Rektor des Quartets sahen. Als Brubeck das klassische Quartet 1967 auflöste um sich neuen Dingen zuzuwenden konnte man schon sehr schnell hören wer sich hier den neuen Dingen zuwandte und wer nicht. Während Paul Desmond auf Aufnahmen von Chet Baker und Jim Hall zu hören ist, auf der er unter anderem ein unfassbar grandioses Solo in der Concierto de Aranjuez Interpretation abliefert, und mit dem Modern Jazz Quartet Auftritte absolvierte, spielte Dave Brubeck weiterhin Take Five hoch und runter. Nun ja, ich möchte das musikalische Genie von Herrn Brubeck nicht in Frage stellen aber sich neuen Dingen zuwenden geht anders. 1976 trafen sich Desmond und Brubeck ein letztes mal zu Aufnahmen zu einem Album was da einfach nur ‘The Duets’ hieß. Da war es dann noch einmal, dieses kongeniale Zusammenspiel von den beiden. Und es ist ein hübsches Vermächtnis was uns der Herr Desmond da hinterlassen hat.

Discographie

Playlist Desmond/Brubeck bei Spotify

Empfehlungen:

Blues in Time (Spotify) (Amazon)
First Place again (Spotify) (Amazon)
Time Out (Spotify) (Amazon)
Two of a Mind (Spotify) (Amazon)
At Carnegie Hall (Spotify) (Amazon)
Concierto (Spotify) (Amazon)
The Duets (Spotify) (Amazon)

 

M.I.A. – Matangi

Da ist es nun also, das vierte Album von M.I.A. Eigentlich wäre das erstmal nur eine Zahl wenn es nicht ein Jahr zu spät auf den Markt gekommen wäre. Unstimmigkeiten mit ihrer Plattenfirma sind, laut Aussage M.I.A.s, der Grund für das etwas verspätete Erscheinungsdatum. Sie drohte sogar damit das Album selbst in’s Internet zu stellen. Straßenkämpfer-Parolen, Ghetto-Attitüde und Kunst. Das brachte bis jetzt nur Kayne West ansatzweise auf einem Album zusammen. M.I.A. kann das auch, nur besser, Intelligenter. Eines wird von vornherein klar, sie ist dagegen. Eine Einstellung mit der es Tocotronic immerhin schon zu recht bemerkenswertem Ruhm gebracht hat, auch wenn die natürlich musikalisch ganz woanders zu verorten sind. Und so schimpft und zetert sie was das Zeug hält. Gegen die Plattenfirmen, Google, Zensur im Internet und die entsprechenden Portale, weil ihre Videos dort nur zum Teil, geschnitten oder gar nicht gezeigt werden. Sie kann aber auch hie und da dafür sein, z.B wenn sich verbal auf diesem Album für Frauenrechte im Nahen Osten einsetzt. „Die Wut ist jung“, würde Lore Lorenz wohl sagen. Und wütend das ist M.I.A., und das nimmt man ihr auch ab. Und diese Wut äußert sich sowohl sprachlich als auch musikalisch. Das was hier brachial an Sounds aus den Lautsprecherboxen an’s geneigte Ohr kommt, ist auch musikalisch authentisch. Wunderbar. Donnernde indische Instrumente, sorgen für eine weitere besondere Note dieses Albums. Es wird geomt, gechort, geglockt, gehämmert, gewabert, gebasst und gepoltert wie nur was. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Ironie und der Spott nie zu kurz kommen.“Y.A.L.A.“, steht schlicht und ergreifend für „You always live again“, ein herrlicher Seitenhieb gegen den unfassbar blödsinnigen YOLO-Slogan, der an Stumpfsinnigkeit nicht zu überbieten ist. Das tolle ist, das man bei M.I.A. verbal genau weiß woran man ist. Musikalisch hingegen ist das, trotz der einjährigen Verspätung immer noch frisch, und zwar so frisch, dass es einem Kayne West, an der ein oder anderen Stelle, schon ein wenig schwindelig werden könnte. Stücke, die man glaubt nach einer Minute ungefähr verorten zu könne, belehren einen nach ca. 3 Minuten oftmals eines besseren. Diese Musik ist anstrengend. M.I.A. ist anstrengend. Ihre Haltung ist anstrengend. Kunst ist anstrengend. Gut so. Dieses Album hat es geschafft am Puls der Zeit zu sein, und zwar so sehr, dass man die Geschichte mit dem einem Jahr und dem verspäteten Erscheinen, irgendwie nicht so recht glauben mag. Wie dem auch immer sei. Es ist ein relevantes Album, einer relevanten Künstlerin, die relevantes zu sagen hat. In diesem Sinne, volle Punktzahl.

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Arcade Fire – Reflektor

Arcade Fire eine 2002 gegründete kanadische Indie-Rockband aus Montréal in Québec, diesem Bundesstaat in dem französisch die Hauptsprache ist. Da kommen sie her. Sie, das sind vor allem das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne. Weitere Mitglieder sind Richard Parry, Tim Kingsbury, Will Butler, Sarah Neufeld und Jeremy Gara. Es ist einer dieser Bands die wohl zu den Lieblingen der Kritiker gezählt werden dürfen. Lobeshymne über Lobeshymne wurde schon ob dieser Band angestimmt, und so verwundert es dann auch nicht, dass sie einen Grammy für ihr drittes Album The Suburbs als bestes Album des Jahres 2011 erhielten und ebenfalls  einen BRIT Award für das beste internationale Album.

Eigentlich dachte ich, dass ich gar keine Lust mehr hätte über das neueste Werk dieser wunderbaren kanadischen Menschen zu sprechen, weil sie uns schon seit Monaten darauf aufmerksam machen, dass in Bälde das neue Album kommen werde. Alles was auch nur im Entferntesten unter Verdacht stand ein Social Network zu sein wurde bedient. Und so informierten uns die sympathischen Menschen aus Montréal denn auch über alle Plattformen in schöner Regelmäßigkeit, dass es nur so…….langweilte. Irgendwann konnte man die x-te Ankündigung und neusten Gerüchte um das sagenumwobene Album denn auch nicht mehr hören. Müdigkeit machte sich breit im Lande der Indiehipster. Nun wäre Arcade Fire nicht Arcade Fire, wenn sie nicht ein Album hingelegt hätten über das man dann doch reden mag.  Alle langweiligen Tweets, Facebooknachrichten oder ominöse Auftritte in Late-Night-Shows liegen nun erfreulicherweise hinter uns, und wir können über das reden um was es wirklich geht, nämlich über Musik. Endlich. Ein Doppelalbum ist es geworden. Ein Doppelalbum was dann auch noch den Anspruch erhebt in Gänze gehört werden zu wollen, das ist eigentlich in Zeiten in denen die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen nach spätestens zwei Liedern auf dem Nullpunkt angelangt ist, und man sich wieder den wichtigen Dingen zuwendet, also Facebook, Twitter, Google+ oder Tumblr, ein Irrsinn den sich leider nur noch sehr wenig Bands leisten können. Arcade Fire ist einer dieser Bands die sich das nicht nur trauen, sondern denen man auch länger zuhört als fünf Minuten. Und man darf sagen, dass das Konzept Doppelalbum trägt. Es ist nicht zu lang, eine Befürchtung die ich anfänglich hegte, es ist genau richtig. Musikalisch sind unsere Freunde ein wenig woanders gelandet als das was man erwarten hätte können, wenn man diesen monatelangen Irrsinn von Vorankündigungen ignoriert hätte. Arcade Fire hat die Tanzfläche für sich entdeckt. Hört sich erstmal an als wenn dieses Album ein zugängliches, hübsches, nettes Indiealbum mit ein wenig Discorhythmen wäre, ist es aber nicht. Es ist ein Arcade Fire Album. Es ist sperrig. Es ist immer wieder anders. Es changiert zwischen all möglichen Stilen hin und her. Es verwirrt. Es will zum Teil erarbeitet werden. Es mag sich für den einen oder anderen nicht gleich erschließen. So ist das mit der Kunst, sie ist nicht immer einfach zu verstehen. Manchen mag es gar zu verwoben sein. Ich möchte in diesem Zusammenhang Andreas Müller zitieren: “Dann strengt euch halt an, verdammt.” Progindie, Indiedance, Indiedisco was auch immer es am Ende sein mag. Wahrscheinlich ein bisschen von alledem. Es reißt einen mit, lässt einen wieder los und am Ende weiß man manchmal gar nicht so recht wie einem musikalisch geschieht. Es wird sich durch fast alle Stile der letzten Dekade Rock/Pop/Indiemusik gespielt, getanzt und produziert. Das Chamäleon bietet sich als Metapher geradezu an, und passt ganz gut zu dem was hier so in einigen Stücken passiert. So verwundert es natürlich letztlich auch nicht, dass ein gewisser Herr Bowie auf dem ersten Track dieses Album zu hören ist. Adel verpflichtet. Auf dem ersten Teil des Albums, für die älteren auf der ersten CD, für die ganz alten auf der ersten Platte, wabert, pulsiert und basst es, dass es nur so eine Freude ist. Ob sich der geneigte intellektuelle Indie-Hipsterhörer welcher auf Lehramt studiert, oder gerade sein Soziologiestudium abgebrochen hat, nur um jetzt endgültig als Künstler ernst genommen zu werden, dazu bringen lässt die Tanzfläche zu bevölkern, bleibt abzuwarten. Die Musik des ersten Teils dieses Albums jedenfalls, lädt dazu ein. Der zweite Teil führt hinab in die untiefen der Dunkelheit, der griechischen Mythologie und der gepflegten Melancholie. Bestimmten im ersten Teil noch lockere, hübsche, pulsierende Rhythmen das Klangbild, so ist im zweiten Teil Schluss mit lustig. Elf Minuten lassen sich hier zum Teil Songs Zeit um den geneigten Hörer die unlustigen Dinge des Lebens näher zu bringen. Das hat es natürlich auch schon alles gegeben, und wer sich auf dieses Terrain begibt muss sich seiner Sache zum einen sehr sicher sein, den nur gar zu häufig zitiert man gar zu schnell beliebig große Bands. Arcade Fire ist eine eben solche und zitiert entsprechend nicht wahllos irgendwas, sondern macht aus dem Ganzen etwas eigenes, etwas altes neues. James Murphy sei noch erwähnt, der Produzent dieser Band, der einen nicht unwesentlichen Teil zu diesem enormen Werk beigetragen haben dürfte. Es ist nicht die leichteste Kost die uns die Menschen aus dem hübschen Montréal da auftischen. Sie braucht ein wenig um verdaut zu werden, aber es ist ein Megaalbum was diese Band da aus dem Boden gestampft hat. Eines über das man noch länger reden wird. Und das hat viele Gründe. Einige von eben jenen habe ich versucht darzulegen. Am Ende des Tages gebietet es die Fairness und der Anstand über eine andere Band in diesem Jahr zu sprechen, ohne die einige der Songs auf diesem Album sicher anders klingen würden. Ganz ohne Daft Punk ging es eben auch hier nicht. Warum auch? Das macht das Album in keinster Weise kleiner oder gar schlechter. Ein großes Album von dem ich mir viel versprochen habe, und es hat meine Erwartungen erfüllt. Es zählt zu den besten Alben dieses Jahres, und wird am Ende des Jahres mit Sicherheit auch noch mal Erwähnung finden, wenn es um die besten der besten in diesem Jahr geht. Ein grandioses Album einer grandiosen Band. Chapeau, Arcade Fire!

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Benny Goodman

Benny Goodman wurde 1909 geboren und war nicht nur Jazzmusiker. Er war Klarinettist, und zwar einer der außergewöhnlichen Art. Ihm genügte der Jazz allein nämlich nicht. Er verschaffte sich auch mit Interpretationen klassischer Werke großen Respekt und Anerkennung. Das, und noch viel mehr.

Aber mal von Anfang an. Start at the Beginning, wie man so schön sagt. Geboren wurde er in Chicago als Sohn jüdischer Einwanderer. Im alter von zehn Jahren bekam er seine erste Klarinette und den entsprechenden Unterricht für dieses Instrument, was Ihn so bekannt machen sollte. Zwei Jahre lang unterrichtete ihn Franz Schoepp, ein Klarinettist des Chicago Symphony Orchestra. Mit zwölf Jahren begann er im Theaterorchester und diversen Tanzkapellen der Stadt zu spielen. Mit jungen 20 Jahren stieg er in das Ben-Pollack-Orchester ein, mit dem er sehr bald auf Tournee ging und sogar schon seine ersten Aufnahmen machte. Darunter die erste Aufnahme eines von ihm gespielten Klarinetten-Solos im Song He’s the Last Word. Wenig später zog er nach New York, die Stadt die damals, was das musikalische Schaffen angeht, getrost als Nabel der Welt bezeichnet werden durfte. In New York angekommen, arbeitete er für das Radio und als Sessionmusiker und als Theatermusiker am Broadway. 1931 hatte er mit dem Song He’s Not Worth Your Tears einen ersten Charterfolg. Immerhin schaffte es die Aufnahme bis auf den Platz 20 der damals noch jungen Charts. Und was dann kam, war einer der ersten großartigen Besonderheiten die Benny Goodman so toll machen. Zunächst stellte er für die Rundfunkserie Let’s Dance seine erste eigene Big Band zusammen. Das wäre weder für damalige Zeit noch zum heutigen Zeitpunkt etwas besonderes gewesen, und auch nicht weiter erwähnenswert, aber er machte für die damalige Zeit was ganz besonders außergewöhnlich tolles. Zum ersten Mal in der Geschichte des Jazz waren weiße und schwarze Musiker in einer Big Band vereint. Für die damaligen Verhältnisse, welche in den USA herrschten, ist das schon sehr bemerkenswert. Diese Band schaffte es nun mit ihrer Perfektion und ihrem Repertoire nicht nur Jazzfans zu begeistern, sondern auch zahlreiche Musikliebhaber außerhalb des Jazzbereichs, weil sie es sich nicht nehmen ließ, neben den damaligen Jazzstandards, auch Kompositionen von Mozart erklingen zu lassen. Es folgten weitere, beachtliche Chartplatzierungen und 1934 war es dann so weit. Da gelang ihm dann mit Moonglow der erste von insgesamt sechzehn Nummer-1-Hits. Zu diesem Zeitpunkt spielte auch ein gewisser Herr namens Glenn Miller als freier Posaunist mit. Der ein oder andere mag schon mal von diesem Herren gehört haben. Miller gelang sein großer Durchbruch erst ein Jahr später, und so verdiente er sich bis dahin unter anderem bei Goodman sein Brot. Ein Schicksal was er im Übrigen mit vielen anderen Musikern teilt. Es sei hier nur einmal der damals noch sehr junge Stan Getz erwähnt. Auch wenn der dort, wegen unreifen Verhaltens, relativ schnell wieder gehen musste. Herr Getz war zu der Zeit halt auch erst sechzehn. Der 16. Januar 1938 war für Benny Goodman ein ganz besonderes Datum. Denn er gab, wie so viele nach Ihm, sein berühmtes Jazz-Konzert in der New Yorker Carnegie Hall. Das berühmte The Famous Carnegie Hall Concert 1938. Ein feststehender Begriff für jeden Jazzfan. Zunächst war das Konzert mal war ein durchschlagender Erfolg. Das war aber nicht das Entscheidende. Für sich genommen wäre das natürlich schon recht hübsch. Nur hatte der Erfolg dieses Konzerts weitreichende Folgen. Zum einen fanden in der Carnegie Hall bis dahin ausschließlich klassische Konzerte statt. Es war also das erste Jazzkonzert was dort stattfand. Das allein wäre schon bemerkenswert genug. Was dieses Konzert aber wirklich zu einem der ganz großen macht, ist die Tatsache das durch den Erfolg dieses Konzertes der Jazz quasi über Nacht salonfähig wurde, und somit auch bei den Menschen, die dem Jazz damals eher ablehnend gegenüber standen, zunehmend akzeptiert wurde. Man könnte sagen, dass ab dem Zeitpunkt auch der “feine Pinkel”, oder der der sich dafür hielt, anfing sich für den Jazz zu begeistern. Die Aufnahme des Konzertes, die naturgemäß nicht der Weisheit letzter Schluss ist was die Audioqualität angeht, sei jedem Musikfan an’s Herz gelegt. Diese Menschen die dort aufgetreten sind haben damals Geschichte geschrieben, zumindest musikalische Geschichte. Vor allem Sing, Sing, Sing, was bei diesem Konzert in einer sehr opulenten Länge dargeboten wurde,  wird heute als Meilenstein angesehen, und man darf es mit Fug und Recht als Genre-Klassiker bezeichnen. Benny Goodman war ein sehr umtriebiger Musiker, und schon sehr bald reichte ihm seine Big Band nicht mehr aus, in der mittlerweile u.a. Menschen wie Harry James und Ziggy Elman spielten. Und so gründete er also auch das Benny-Goodman-Quartet, in dem nun wiederum bekannte Jazzgrößen wie Teddy Wilson, Gene Krupa und Lionel Hampton spielten. Goodman blieb auch hier sich und seiner Linie treu, und so spielten in diesem Quartett zwei schwarze und zwei weißen Musiker zusammen, was zur damaligen Zeit ein absolutes Tabu war. Dadurch das er zu einem so frühen Zeitpunkt schwarze und weiße Menschen in einer Band zusammen hat spielen lassen, hat er sich um die Überwindung der „Rassentrennung“ in den USA sehr verdient gemacht. In den frühen dreißiger Jahren konnten schwarze und weiße Jazzmusiker in den meisten Musikkapellen, oder in Konzerten, nämlich nicht zusammen spielen. Das ist heute natürlich alles längst überholt. Die meisten Menschen sind mittlerweile erfreulicherweise klüger als damals. Das ist u.a. deswegen so, weil in seinen Bands schwarze und weiße Musiker einfach zusammengespielt haben. Er hat damit etwas in’s Rollen gebracht, etwas angestoßen. Das ist einer der mannigfaltigen Gründe, weswegen er als  King of Swing gilt. Da Benny Goodman aber, wie schon erwähnt, ein sehr offener, umtriebiger Mensch war, reichte das natürlich immer noch nicht. Und so wollte er sich auch bei den Menschen der klassischen Musik Respekt verschaffen. Er änderte dafür extra den Ansatz für sein Klarinettenspiel in den sogenannten klassischen Ansatz, der sich erheblich von dem des Jazz unterscheidet, und ließ nicht locker bevor nicht die entsprechenden musikalische Ergebnisse zu Verzeichnen waren. So nahm er dann also Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 auf, spielte das Klarinettenquintett KV 581 ein und verschaffte sich tatsächlich den erwünschten Respekt. Es folgten Einspielungen von Strawinski, Debussy oder Ravel. Das ganze ging so weit, dass bekannte klassische Komponisten, also die Vertreter der sogenannten „Ernsten Musik“, wie Paul Hindemith, Aaron Copland, Malcolm Arnold und Béla Bartók ihm Kompositionen widmeten, sprich Stücke für ihn geschrieben haben. Nun war es also geschafft. Er hatte mit Jazz und Swing einen Nummer-1-Hit nach dem nächsten, ging Weltweit auf Tournee und spielte mit den bekannten Orchestern dieser Welt zusammen die großen Konzerte der klassischen Musik. Er sollte bis jetzt einer der ganz wenigen bleiben denen das je gelingen sollte. Benny Goodman wird immer einer der ganz großen bleiben. Einer der wenigen die es Geschafft haben Grenzen zu überschreiten, neue Dinge zu probieren und sich nicht vom vorherrschenden Mainstream von irgendwas abhalten zu lassen. Wenn mehr Menschen so denken würden wie er es getan hat, dann würde vieles bestimmt hübscher sein auf dieser Welt. Goodman hat die Welt jedenfalls ein wenig hübscher gemacht. Mit seiner Musik, und mit seiner Haltung. Benny Goodman starb 1986 in New York. Seine Musik und sein Wirken werden nie sterben.

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