Paul Kuhn – The L.A. Session

Eigentlich hat er immer Jazz gemacht. Gut versteckt hat er ihn bisweilen, den Jazz. Wenn man aber genau hinhört, dann hört man es auch bei seinen schlageresquen Stücken. Einfach drauflos spielen, das war das was er schon immer am liebsten gemacht hat. Und dann war da dieser Traum. Dieser Traum von dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dieses Land was so viele tolle Musiker hervorgebracht hat. Kuhn war schon immer in dieses Land verknallt. Ebenso war er natürlich in die Musik verliebt. In die Musik von Chet Baker, Shorty Rodgers,  Count Basie, Duke Ellington und Frank Sinatra. Der vor allem. Nie hat er ihn treffen können. Im November 2011 konnte er zumindest im selben Studio arbeiten wie der große Meister. In den Capitol Studios von Los Angeles ließ er dieses Album aufnehmen. Al Schmitt, siebenfacher Grammy-Gewinner, produzierte dieses Album. Der hat schon Henri Mancinis Soundtrack für ‘Breakfast At Tiffanys’ abgemischt. Da war er nun also, und sang in’s selbe Mikrofon wie Sinatra. Mit Schlagzeuger Jeff Hamilton und Bassist John Clayton hat er sich zwei der besten an Seite geholt. Und wie das so oft ist bei so Spätwerken von Künstlern, so ist es auch im Falle von Paul Kuhn. So leicht, locker, luftig, frei und charmant klang er bis zu diesem Album nie. Er interagiert mit den beiden anderen als wenn es das leichteste und natürlichste der Welt wäre. Er schmeißt all seine Altersweisheit in die Stücke, swingt was das Zeug hält und klingt dabei manchmal amerikanischer als manches was da so im Moment an Jazz über den großen Teich zu uns kommt. Ein Album was ich nicht nur dem geneigten Jazz Fans an’s Herz legen möchte, sondern auch all denen die ein offenes Ohr haben für Musik die heute leider viel zu selten im Radio gespielt wird. Das ist ein wirklich grandioses Album. Ich möchte es nicht im Kontext der Alben wissen die wir bei den Quasseltrippen sonst besprechen. Da gehört es nicht hin. Es steht für sich. Ganz allein. Nur so. Und so sollte man es auch hören. Unvoreingenommen sollte man es hören. Ein großes Alterswerk eines großen Künstlers.

Babyshambles – Sequel to the Prequel

Sequel to the Prequel ist der Name des neuen Albums der Babyshambles. Vier Jahre hat der geneigte Musikfreund warten müssen. Und immer wenn Pete Doherty ein neues Album unter die Menschen bringt, sind die Erwartungen hoch. Wurde er doch vor einigen Jahren noch als Heilsbringer des Indie gefeiert, und auch gerne in eine Atemzug mit Kurt Cobain gennant. Er ist Sinnbild für alles was man Klischeehaft mit kaputten Musikern verbindet. Alkohol und sämtlichen anderen bewusstseinserweiternden Substanzen nicht abgeneigt, erfüllt er diese Klischees vorbildlich. Und so singt er denn auch gleich beim ersten Stück davon das es zum Frühstück auch gerne ein Topf voller Wein sein darf. Dachte man bei den Arctic Monkeys noch das war’s dann wohl liebes Britannien, so belehrt uns der Herr Doherty mit dem neuen Album der Babyshambles eines besseren. Lässig, authentisch, ein bisschen abgefuckt und aufregend ist es, das neue Album der Babyshambles. Alle Drogen dieser Welt konnten die Songschreiberqualitäten des Herren Doherty bis jetzt nicht im geringsten beeinträchtigen. Aber nicht nur Doherty hat auf diesem Album Songs beigesteuert, auch die anderen Bandmitglieder haben Stücke für dieses Album geschrieben. Das macht das ganze zu einem Babyshambles Album und nicht zu einem weiteren Doherty Album. Auf diesem Album findet sich der Punk genauso wieder wie Reggae-Stücke. Ein Hauch Clash mag der ein oder andere bei einem dieser Reggae-Song wiederfinden, welcher da ‘Dr. No’ heißt. 40’er Jahre Atmosphäre mischt sich hier mit 90’er Jahre Nirvana Attitude. Jazz und Indie finden hier gleichberechtigt nebeneinander statt. Das beste aber ist, dass das ganze irgendwie zu einem Ganzen zusammenfindet. Das Zusammenspiel dieser ganzen Dinge funktioniert. Es wirkt auch nie als Aufguss oder gar als Kopie von irgendwas. Es ist was eigenes, was außergewöhnlich hübsches was die Menschen von den Babyshambles da auf ein Album gepackt haben. Produziert wurde das ganze von Stephen Street, welcher auch schon für The Smiths, Morrissey und Blur gearbeitet hat, und auch den Vorgänger der Babyshmables fertiggestellt hat. Das Album wurde schnell fertiggestellt. Sehr schnell. Man wollte damit die Ursprünglichkeit der Songs erhalten. Vielleicht. Vielleicht wollte Street auch einfach nur rechtzeitig fertig werden bevor Doherty auf dem Weg zum nächsten Trip ist. Wer weiß. Warum auch immer, gelungen ist es. Toll ist es. Das Beste was in diesem Jahr aus UK bisher musikalisch das Licht der Welt erblickte, und endlich mal ein Album was den USA, jenseits des großen Teichs, das Wasser reichen kann und nicht nur das Glas.

Die Sendung zu diesem Text, findet man hier: http://die-quasselstrippen.de/049-die-strippen-nehmen-drogen-aus-alufolie/