Minor Alps – Get There

Minor Alps ist ein musikalisches Projekt zweier Musiker. Zum einen Juliana Hatfield, geboren 1967 in  Maine/USA. Sie spielt Gitarre und schreibt eigene Songs. Sie spielte in der Indie Rock Band Blake Babies und in der Band Some Girls. Danach begann sie eine Solokarriere. Matthew Caws, geboren 1967 in New York City ist Sänger und Gitarrist der  Pop-Rock Band Nada Surf. Gemeinsam starteten sie 2013 das Projekt „Minor Alps“.

 

Erstes Album heißt Get There. Ein wenig Düster kommt es daher, das Cover ihres Debüt Albums. Keine Sorge ganz so bedrohlich wie das Cover es vermuten lässt, es erinnert ein wenig an das Bild ‘Die Toteninsel’ von Arnold Böcklin, welches durch Sergej Rachmaninoff durch das gleichnamige Stück bekannt wurde, ist die Musik dann nun doch nicht. Im Gegenteil. Das ganze ist eine hübsche Mischung aus elektronischem Folk, traditionellem amerikanischem Songwriter Sound und schicker, balladiger Countrymusic. Ein wenig lauter wird es auf hier nur ganze zweimal. Zum einen gibt es da das Stück “I Don’t Know What To Do With My Hands”. Da geht es dann sogar mal ein wenig in Richtung Indie-Noise. Zum anderen das etwas konventioneller, und somit auch klassisch rockiger geratene “Mixed Feelings”. Ansonsten bedient man sich der ruhigeren Töne, mit akustischen Gitarren und hübschen Melodien, die so recht in das Vorweihnachtlich gestimmte Ohr passen, und sich dort auch recht hübsch einnisten und bei dem ein oder anderen mit Sicherheit auch ein wenig verweilen. Melodie können die beiden, und das ein oder andere Stück auf diesem Album ist sogar recht spannend arrangiert. Sogar ein  elektronisches Schlagzeug findet sich hie und da auf diesem Album wieder. Trotzdem wird man nie mit irgendwas belästigt, das würde auch gar nicht zu einer musikalischen Veröffentlichung von Matthew Caws passen, der nun wahrlich nicht bekannt dafür ist in neue unentdeckte Sphären aufzubrechen. Das macht aber nichts. Dieses Album stimmt einen milde und macht das man entspannt zuhört. Es will nicht das man zur Musik kommt. Die Musik kommt zu einem, ohne sich dabei gar zu sehr in’s Rampenlicht zu stellen, um jeden Preis auffallen zu wollen oder isch aufzudrängen. Ein besseres Album kann es für die besinnliche Vorweihnachtszeit fast nicht geben. Ich bin also genauso milde gestimmt wie die Musik auf diesem Album und bin deswegen sehr erfreut ob der schicken Melodien auf diesem Album.

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Wooden Shjips – Back to Land

Psychedelic in Zeiten wie diesen ist schon eine seltene Herangehensweise sich musikalisch zu artikulieren. Eigentlich ist das ja alles seit den 70’er Jahren vorbei. Wären da nicht Bands wie Wooden Shjips die es immer wieder verstehen dieses etwas antiquiert erscheinende Musik immer wieder neu zum Leben zu erwecken und sie mit neuen Zutaten zu würzen. Der Schuss Rock ’n‘ Roll tut dieser Musik gut, und nimmt ihr etwas von der Schwere. Außerdem Lichtet er ein wenig die ein oder andere Rauschschwade, die einem schon mal süßlich entgegenzukommen scheint, wenn man dieser Musik so lauscht. Mit jedem neuen Album wurden neue Möglichkeiten aufgetan, Psychedelic-Rock in die Gegenwart zu hieven und in kleine, hübsche  Meisterwerke zu verwandeln. Das ist ihnen auch auf diesem Album wieder gelungen. ‘Back To Land’ ist das erste Album welches nicht in San Francisco aufgenommen wurde oder dort entstanden ist. Portland ist das neue Domizil der Band, und das hört man auch. Etwas weniger Erde. Etwas mehr Himmel könnte man sagen, um mal im korrektem Duktus zu bleiben. Das Dunkel wurde auf diesem Album ein wenig gelichtet, und so trauen sich unsere amerikanischen Freunde denn auch mal in Lichtdurchfluteten musikalischen Räume zu spielen. Das deutete sich zwar schon hie und da auf den letzten Alben an, aber so richtig getraut hatte man sich bis dato nicht. Überhaupt ist der gesamte Sound souveräner geworden. Man traut sich mehr zu, und scheint irgendwie angekommen zu sein. Zum Teil hat man der Gitarre den Strom entzogen, und spielt sie entsprechend akustisch. Und das ist dann Wunderschön.  Dennoch gibt es natürlich verzerrte Gitarrenriffs, modale Keyboards und herrlich intensive Drum-Sounds. Immer wieder Melodien die im Hintergrund laufen, sich in den Vordergrund stellen, nur um anschließend wieder im Hintergrund zu agieren. Das ist hübsch, detailreich und toll. Dieses Album wurde innerhalb von elf tagen am Stück produziert, also rasend schnell. Ich denke das ist einer der Gründe warum das Album so frisch wirkt. So wenig verbraucht oder verstaubt. Es macht Spaß dieser Band beim schwelgen in ihren musikalische Sphären zuzuhören. Das Album macht Süchtig nach mehr. In diesem Sinne. Kinder nehmt diese Droge der musikalischen Art. Tolles Album. Tolle Band.

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Jake Bugg – Shangri La

Shangri La heißt das neue Album von Jake Bugg. Das Debüt des jungen Künstlers wurde seinerzeit ja überschwänglich von der Musikpresse über den grünen Klee gelobt. Nun also das Nachfolgealbum. So wie es im Fußball die Saison nach der Saison gibt, so gibt es in der Musik das Album nach dem Album. Was macht er also nun auf dem zweiten Album? Der als Retter der britischen Musik auserkorene. Ändert er seinen Stil? Wird er auf dem zweiten Album das überschwängliche Lob des ersten Albums bestätigen können? Zunächst ist dieses Album mal in Kalifornien aufgenommen und nicht im verregneten Nordengland. Ein gewisser Herr Rick Rubin, der schon anderen Künstlern das ein oder andere Album geklöppelt hat, sitzt hier an den Reglern. Einer der wichtigsten Produzenten der letzten 20 Jahre. Einige Gastmusiker haben sich eingefunden um auf diesem Album ihren musikalischen Beitrag zu leisten. Namentlich erwähnt seien hier die Herren von den Red Hot Chili Peppers. Insgesamt gibt es auf diesem Album mehr elektrisch Verstärktes als auf dem letzten Album, was wohl einer der Dinge ist, die man getrost Rick Rubin zuschreiben darf. Das erste Album war etwas zurückhaltender. Dieses geht mehr nach vorne warum auch nicht? Eine lange Tournee und die Zusammenarbeit mit Rubin haben offensichtlich dazu geführt, dass der junge Mann sich genug Selbstbewusstsein erspielt und erarbeitet hat, um musikalisch und somit auch persönlich aus sich herauszukommen. Das nennt man wohl “sich weiter entwickeln”. Und diese Entwicklung scheint noch lange nicht abgeschlossen. Der Mann ist knapp 20 Jahre alt. Da kann einem schon fast ein wenig Angst und Bange werden vor dem was da noch kommen mag. Das neue Album bleibt nicht stehen, es geht weiter. Es sucht und findet neue klangliche Wege. Es bleibt nie stehen. Es ist neu, es ist frisch, es ist heiß und es ist toll. Hier hat sich einer auf den Weg gemacht, um sich neue Horizonte zu erschließen, zu erspielen und zu erfahren. Wenn das so weitergeht weiß ich nicht was auf dem nächsten Album passiert. Man darf gespannt sein, was dieser neugierige, offene junge Mensch noch musikalisch für uns bereithält. Was dieses  Album angeht, so ist es ein mehr als würdiger Nachfolger für das Erstlingswerk, was übrigens einfach nur seinen Namen trägt. Der Retter ist da. Der Messias ist Ihnen erschienen und hat UK für dieses Jahr gerettet und rehabilitiert. Großartig!

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Paul Desmond

Paul Desmond wurde 1924 in San Francisco geboren, und starb 1977 in New York City. Bekannt wurde er durch das Dave Brubeck Quartet (er verfasste dessen größten Hit, Take Five), in dem er seit dessen Gründung im Jahr 1951 bis 1967 spielte.

Paul Desmond ist der Meister der Melodiösität, der tiefverwobenen Linien, die zwar unendlich Komplex sind, aber dabei immer dermaßen eingängig, dass man überhaupt nicht merkt was dieser tolle Alt Saxophonist einem da an Skalen und Harmonien um die Ohren haut. So luftig, so lyrisch, so leicht, so schwebend und so charmant konnte kein anderer solieren. Hier entfaltet sich eine Melodie nach der anderen. Das sind keine Soli, das sind im Grunde eigene Lieder die Paul Desmond uns da vor soliert. Das dürfte einzigartig sein. Dieser Stil, den Paul Desmond da pflegt ist so außergewöhnlich, dass selbst ungeübte Ohren Desmond sofort erkennen. Seine Soli sind ein wunderbarer Einblick in die zarte Seele dieses Künstlers. Desmond ist einer von den ruhigen, den schüchternen, den leisen. Niemals lässt er bei einem das Gefühl aufkommen, dass er mit schnellen Läufen, extrovertiertem Spiel oder Lautstärke auf sich aufmerksam machen will. Seine Soli schreien einen nicht an, sie nehmen einen mit, mit auf eine Reise durch Melodie und Stimmung die er immer an das jeweilige Stück angepasst hat, was er gerade spielte. Der Blues war ihm genau so nah wie Bach. Es gab natürlich Menschen die ihm das neiden. Es gab Menschen die ihm deswegen immer mal wieder Belanglosigkeit oder gar Banalität unterstellten. Das er genau das Gegeteil von alledem war, mochten und wollten sie nicht hören. Desmonds Art Saxophon zu spielen, den Jazz zu spielen, Stücke zu komponieren und zu interpretieren, waren in einem hohen Maße seiner feingeistigen Art geschuldet. Kompliziert kann eben auch hübsch sein. Ein Ansatz, wie er nur sehr selten im Jazz zu finden ist. Ein einzigartiger Künstler der auch außerhalb der Musik mit Klugheit und Stil zu gefallen wusste. Etliche Zitate von Ihm sprechen da Bände. 16 Jahre hat er an der Seite von Dave Brubeck gespielt, und es gab nicht wenige die in Ihm den eigentlichen Spiritus Rektor des Quartets sahen. Als Brubeck das klassische Quartet 1967 auflöste um sich neuen Dingen zuzuwenden konnte man schon sehr schnell hören wer sich hier den neuen Dingen zuwandte und wer nicht. Während Paul Desmond auf Aufnahmen von Chet Baker und Jim Hall zu hören ist, auf der er unter anderem ein unfassbar grandioses Solo in der Concierto de Aranjuez Interpretation abliefert, und mit dem Modern Jazz Quartet Auftritte absolvierte, spielte Dave Brubeck weiterhin Take Five hoch und runter. Nun ja, ich möchte das musikalische Genie von Herrn Brubeck nicht in Frage stellen aber sich neuen Dingen zuwenden geht anders. 1976 trafen sich Desmond und Brubeck ein letztes mal zu Aufnahmen zu einem Album was da einfach nur ‘The Duets’ hieß. Da war es dann noch einmal, dieses kongeniale Zusammenspiel von den beiden. Und es ist ein hübsches Vermächtnis was uns der Herr Desmond da hinterlassen hat.

Discographie

Playlist Desmond/Brubeck bei Spotify

Empfehlungen:

Blues in Time (Spotify) (Amazon)
First Place again (Spotify) (Amazon)
Time Out (Spotify) (Amazon)
Two of a Mind (Spotify) (Amazon)
At Carnegie Hall (Spotify) (Amazon)
Concierto (Spotify) (Amazon)
The Duets (Spotify) (Amazon)

 

M.I.A. – Matangi

Da ist es nun also, das vierte Album von M.I.A. Eigentlich wäre das erstmal nur eine Zahl wenn es nicht ein Jahr zu spät auf den Markt gekommen wäre. Unstimmigkeiten mit ihrer Plattenfirma sind, laut Aussage M.I.A.s, der Grund für das etwas verspätete Erscheinungsdatum. Sie drohte sogar damit das Album selbst in’s Internet zu stellen. Straßenkämpfer-Parolen, Ghetto-Attitüde und Kunst. Das brachte bis jetzt nur Kayne West ansatzweise auf einem Album zusammen. M.I.A. kann das auch, nur besser, Intelligenter. Eines wird von vornherein klar, sie ist dagegen. Eine Einstellung mit der es Tocotronic immerhin schon zu recht bemerkenswertem Ruhm gebracht hat, auch wenn die natürlich musikalisch ganz woanders zu verorten sind. Und so schimpft und zetert sie was das Zeug hält. Gegen die Plattenfirmen, Google, Zensur im Internet und die entsprechenden Portale, weil ihre Videos dort nur zum Teil, geschnitten oder gar nicht gezeigt werden. Sie kann aber auch hie und da dafür sein, z.B wenn sich verbal auf diesem Album für Frauenrechte im Nahen Osten einsetzt. „Die Wut ist jung“, würde Lore Lorenz wohl sagen. Und wütend das ist M.I.A., und das nimmt man ihr auch ab. Und diese Wut äußert sich sowohl sprachlich als auch musikalisch. Das was hier brachial an Sounds aus den Lautsprecherboxen an’s geneigte Ohr kommt, ist auch musikalisch authentisch. Wunderbar. Donnernde indische Instrumente, sorgen für eine weitere besondere Note dieses Albums. Es wird geomt, gechort, geglockt, gehämmert, gewabert, gebasst und gepoltert wie nur was. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Ironie und der Spott nie zu kurz kommen.“Y.A.L.A.“, steht schlicht und ergreifend für „You always live again“, ein herrlicher Seitenhieb gegen den unfassbar blödsinnigen YOLO-Slogan, der an Stumpfsinnigkeit nicht zu überbieten ist. Das tolle ist, das man bei M.I.A. verbal genau weiß woran man ist. Musikalisch hingegen ist das, trotz der einjährigen Verspätung immer noch frisch, und zwar so frisch, dass es einem Kayne West, an der ein oder anderen Stelle, schon ein wenig schwindelig werden könnte. Stücke, die man glaubt nach einer Minute ungefähr verorten zu könne, belehren einen nach ca. 3 Minuten oftmals eines besseren. Diese Musik ist anstrengend. M.I.A. ist anstrengend. Ihre Haltung ist anstrengend. Kunst ist anstrengend. Gut so. Dieses Album hat es geschafft am Puls der Zeit zu sein, und zwar so sehr, dass man die Geschichte mit dem einem Jahr und dem verspäteten Erscheinen, irgendwie nicht so recht glauben mag. Wie dem auch immer sei. Es ist ein relevantes Album, einer relevanten Künstlerin, die relevantes zu sagen hat. In diesem Sinne, volle Punktzahl.

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Arcade Fire – Reflektor

Arcade Fire eine 2002 gegründete kanadische Indie-Rockband aus Montréal in Québec, diesem Bundesstaat in dem französisch die Hauptsprache ist. Da kommen sie her. Sie, das sind vor allem das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne. Weitere Mitglieder sind Richard Parry, Tim Kingsbury, Will Butler, Sarah Neufeld und Jeremy Gara. Es ist einer dieser Bands die wohl zu den Lieblingen der Kritiker gezählt werden dürfen. Lobeshymne über Lobeshymne wurde schon ob dieser Band angestimmt, und so verwundert es dann auch nicht, dass sie einen Grammy für ihr drittes Album The Suburbs als bestes Album des Jahres 2011 erhielten und ebenfalls  einen BRIT Award für das beste internationale Album.

Eigentlich dachte ich, dass ich gar keine Lust mehr hätte über das neueste Werk dieser wunderbaren kanadischen Menschen zu sprechen, weil sie uns schon seit Monaten darauf aufmerksam machen, dass in Bälde das neue Album kommen werde. Alles was auch nur im Entferntesten unter Verdacht stand ein Social Network zu sein wurde bedient. Und so informierten uns die sympathischen Menschen aus Montréal denn auch über alle Plattformen in schöner Regelmäßigkeit, dass es nur so…….langweilte. Irgendwann konnte man die x-te Ankündigung und neusten Gerüchte um das sagenumwobene Album denn auch nicht mehr hören. Müdigkeit machte sich breit im Lande der Indiehipster. Nun wäre Arcade Fire nicht Arcade Fire, wenn sie nicht ein Album hingelegt hätten über das man dann doch reden mag.  Alle langweiligen Tweets, Facebooknachrichten oder ominöse Auftritte in Late-Night-Shows liegen nun erfreulicherweise hinter uns, und wir können über das reden um was es wirklich geht, nämlich über Musik. Endlich. Ein Doppelalbum ist es geworden. Ein Doppelalbum was dann auch noch den Anspruch erhebt in Gänze gehört werden zu wollen, das ist eigentlich in Zeiten in denen die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen nach spätestens zwei Liedern auf dem Nullpunkt angelangt ist, und man sich wieder den wichtigen Dingen zuwendet, also Facebook, Twitter, Google+ oder Tumblr, ein Irrsinn den sich leider nur noch sehr wenig Bands leisten können. Arcade Fire ist einer dieser Bands die sich das nicht nur trauen, sondern denen man auch länger zuhört als fünf Minuten. Und man darf sagen, dass das Konzept Doppelalbum trägt. Es ist nicht zu lang, eine Befürchtung die ich anfänglich hegte, es ist genau richtig. Musikalisch sind unsere Freunde ein wenig woanders gelandet als das was man erwarten hätte können, wenn man diesen monatelangen Irrsinn von Vorankündigungen ignoriert hätte. Arcade Fire hat die Tanzfläche für sich entdeckt. Hört sich erstmal an als wenn dieses Album ein zugängliches, hübsches, nettes Indiealbum mit ein wenig Discorhythmen wäre, ist es aber nicht. Es ist ein Arcade Fire Album. Es ist sperrig. Es ist immer wieder anders. Es changiert zwischen all möglichen Stilen hin und her. Es verwirrt. Es will zum Teil erarbeitet werden. Es mag sich für den einen oder anderen nicht gleich erschließen. So ist das mit der Kunst, sie ist nicht immer einfach zu verstehen. Manchen mag es gar zu verwoben sein. Ich möchte in diesem Zusammenhang Andreas Müller zitieren: “Dann strengt euch halt an, verdammt.” Progindie, Indiedance, Indiedisco was auch immer es am Ende sein mag. Wahrscheinlich ein bisschen von alledem. Es reißt einen mit, lässt einen wieder los und am Ende weiß man manchmal gar nicht so recht wie einem musikalisch geschieht. Es wird sich durch fast alle Stile der letzten Dekade Rock/Pop/Indiemusik gespielt, getanzt und produziert. Das Chamäleon bietet sich als Metapher geradezu an, und passt ganz gut zu dem was hier so in einigen Stücken passiert. So verwundert es natürlich letztlich auch nicht, dass ein gewisser Herr Bowie auf dem ersten Track dieses Album zu hören ist. Adel verpflichtet. Auf dem ersten Teil des Albums, für die älteren auf der ersten CD, für die ganz alten auf der ersten Platte, wabert, pulsiert und basst es, dass es nur so eine Freude ist. Ob sich der geneigte intellektuelle Indie-Hipsterhörer welcher auf Lehramt studiert, oder gerade sein Soziologiestudium abgebrochen hat, nur um jetzt endgültig als Künstler ernst genommen zu werden, dazu bringen lässt die Tanzfläche zu bevölkern, bleibt abzuwarten. Die Musik des ersten Teils dieses Albums jedenfalls, lädt dazu ein. Der zweite Teil führt hinab in die untiefen der Dunkelheit, der griechischen Mythologie und der gepflegten Melancholie. Bestimmten im ersten Teil noch lockere, hübsche, pulsierende Rhythmen das Klangbild, so ist im zweiten Teil Schluss mit lustig. Elf Minuten lassen sich hier zum Teil Songs Zeit um den geneigten Hörer die unlustigen Dinge des Lebens näher zu bringen. Das hat es natürlich auch schon alles gegeben, und wer sich auf dieses Terrain begibt muss sich seiner Sache zum einen sehr sicher sein, den nur gar zu häufig zitiert man gar zu schnell beliebig große Bands. Arcade Fire ist eine eben solche und zitiert entsprechend nicht wahllos irgendwas, sondern macht aus dem Ganzen etwas eigenes, etwas altes neues. James Murphy sei noch erwähnt, der Produzent dieser Band, der einen nicht unwesentlichen Teil zu diesem enormen Werk beigetragen haben dürfte. Es ist nicht die leichteste Kost die uns die Menschen aus dem hübschen Montréal da auftischen. Sie braucht ein wenig um verdaut zu werden, aber es ist ein Megaalbum was diese Band da aus dem Boden gestampft hat. Eines über das man noch länger reden wird. Und das hat viele Gründe. Einige von eben jenen habe ich versucht darzulegen. Am Ende des Tages gebietet es die Fairness und der Anstand über eine andere Band in diesem Jahr zu sprechen, ohne die einige der Songs auf diesem Album sicher anders klingen würden. Ganz ohne Daft Punk ging es eben auch hier nicht. Warum auch? Das macht das Album in keinster Weise kleiner oder gar schlechter. Ein großes Album von dem ich mir viel versprochen habe, und es hat meine Erwartungen erfüllt. Es zählt zu den besten Alben dieses Jahres, und wird am Ende des Jahres mit Sicherheit auch noch mal Erwähnung finden, wenn es um die besten der besten in diesem Jahr geht. Ein grandioses Album einer grandiosen Band. Chapeau, Arcade Fire!

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Benny Goodman

Benny Goodman wurde 1909 geboren und war nicht nur Jazzmusiker. Er war Klarinettist, und zwar einer der außergewöhnlichen Art. Ihm genügte der Jazz allein nämlich nicht. Er verschaffte sich auch mit Interpretationen klassischer Werke großen Respekt und Anerkennung. Das, und noch viel mehr.

Aber mal von Anfang an. Start at the Beginning, wie man so schön sagt. Geboren wurde er in Chicago als Sohn jüdischer Einwanderer. Im alter von zehn Jahren bekam er seine erste Klarinette und den entsprechenden Unterricht für dieses Instrument, was Ihn so bekannt machen sollte. Zwei Jahre lang unterrichtete ihn Franz Schoepp, ein Klarinettist des Chicago Symphony Orchestra. Mit zwölf Jahren begann er im Theaterorchester und diversen Tanzkapellen der Stadt zu spielen. Mit jungen 20 Jahren stieg er in das Ben-Pollack-Orchester ein, mit dem er sehr bald auf Tournee ging und sogar schon seine ersten Aufnahmen machte. Darunter die erste Aufnahme eines von ihm gespielten Klarinetten-Solos im Song He’s the Last Word. Wenig später zog er nach New York, die Stadt die damals, was das musikalische Schaffen angeht, getrost als Nabel der Welt bezeichnet werden durfte. In New York angekommen, arbeitete er für das Radio und als Sessionmusiker und als Theatermusiker am Broadway. 1931 hatte er mit dem Song He’s Not Worth Your Tears einen ersten Charterfolg. Immerhin schaffte es die Aufnahme bis auf den Platz 20 der damals noch jungen Charts. Und was dann kam, war einer der ersten großartigen Besonderheiten die Benny Goodman so toll machen. Zunächst stellte er für die Rundfunkserie Let’s Dance seine erste eigene Big Band zusammen. Das wäre weder für damalige Zeit noch zum heutigen Zeitpunkt etwas besonderes gewesen, und auch nicht weiter erwähnenswert, aber er machte für die damalige Zeit was ganz besonders außergewöhnlich tolles. Zum ersten Mal in der Geschichte des Jazz waren weiße und schwarze Musiker in einer Big Band vereint. Für die damaligen Verhältnisse, welche in den USA herrschten, ist das schon sehr bemerkenswert. Diese Band schaffte es nun mit ihrer Perfektion und ihrem Repertoire nicht nur Jazzfans zu begeistern, sondern auch zahlreiche Musikliebhaber außerhalb des Jazzbereichs, weil sie es sich nicht nehmen ließ, neben den damaligen Jazzstandards, auch Kompositionen von Mozart erklingen zu lassen. Es folgten weitere, beachtliche Chartplatzierungen und 1934 war es dann so weit. Da gelang ihm dann mit Moonglow der erste von insgesamt sechzehn Nummer-1-Hits. Zu diesem Zeitpunkt spielte auch ein gewisser Herr namens Glenn Miller als freier Posaunist mit. Der ein oder andere mag schon mal von diesem Herren gehört haben. Miller gelang sein großer Durchbruch erst ein Jahr später, und so verdiente er sich bis dahin unter anderem bei Goodman sein Brot. Ein Schicksal was er im Übrigen mit vielen anderen Musikern teilt. Es sei hier nur einmal der damals noch sehr junge Stan Getz erwähnt. Auch wenn der dort, wegen unreifen Verhaltens, relativ schnell wieder gehen musste. Herr Getz war zu der Zeit halt auch erst sechzehn. Der 16. Januar 1938 war für Benny Goodman ein ganz besonderes Datum. Denn er gab, wie so viele nach Ihm, sein berühmtes Jazz-Konzert in der New Yorker Carnegie Hall. Das berühmte The Famous Carnegie Hall Concert 1938. Ein feststehender Begriff für jeden Jazzfan. Zunächst war das Konzert mal war ein durchschlagender Erfolg. Das war aber nicht das Entscheidende. Für sich genommen wäre das natürlich schon recht hübsch. Nur hatte der Erfolg dieses Konzerts weitreichende Folgen. Zum einen fanden in der Carnegie Hall bis dahin ausschließlich klassische Konzerte statt. Es war also das erste Jazzkonzert was dort stattfand. Das allein wäre schon bemerkenswert genug. Was dieses Konzert aber wirklich zu einem der ganz großen macht, ist die Tatsache das durch den Erfolg dieses Konzertes der Jazz quasi über Nacht salonfähig wurde, und somit auch bei den Menschen, die dem Jazz damals eher ablehnend gegenüber standen, zunehmend akzeptiert wurde. Man könnte sagen, dass ab dem Zeitpunkt auch der “feine Pinkel”, oder der der sich dafür hielt, anfing sich für den Jazz zu begeistern. Die Aufnahme des Konzertes, die naturgemäß nicht der Weisheit letzter Schluss ist was die Audioqualität angeht, sei jedem Musikfan an’s Herz gelegt. Diese Menschen die dort aufgetreten sind haben damals Geschichte geschrieben, zumindest musikalische Geschichte. Vor allem Sing, Sing, Sing, was bei diesem Konzert in einer sehr opulenten Länge dargeboten wurde,  wird heute als Meilenstein angesehen, und man darf es mit Fug und Recht als Genre-Klassiker bezeichnen. Benny Goodman war ein sehr umtriebiger Musiker, und schon sehr bald reichte ihm seine Big Band nicht mehr aus, in der mittlerweile u.a. Menschen wie Harry James und Ziggy Elman spielten. Und so gründete er also auch das Benny-Goodman-Quartet, in dem nun wiederum bekannte Jazzgrößen wie Teddy Wilson, Gene Krupa und Lionel Hampton spielten. Goodman blieb auch hier sich und seiner Linie treu, und so spielten in diesem Quartett zwei schwarze und zwei weißen Musiker zusammen, was zur damaligen Zeit ein absolutes Tabu war. Dadurch das er zu einem so frühen Zeitpunkt schwarze und weiße Menschen in einer Band zusammen hat spielen lassen, hat er sich um die Überwindung der „Rassentrennung“ in den USA sehr verdient gemacht. In den frühen dreißiger Jahren konnten schwarze und weiße Jazzmusiker in den meisten Musikkapellen, oder in Konzerten, nämlich nicht zusammen spielen. Das ist heute natürlich alles längst überholt. Die meisten Menschen sind mittlerweile erfreulicherweise klüger als damals. Das ist u.a. deswegen so, weil in seinen Bands schwarze und weiße Musiker einfach zusammengespielt haben. Er hat damit etwas in’s Rollen gebracht, etwas angestoßen. Das ist einer der mannigfaltigen Gründe, weswegen er als  King of Swing gilt. Da Benny Goodman aber, wie schon erwähnt, ein sehr offener, umtriebiger Mensch war, reichte das natürlich immer noch nicht. Und so wollte er sich auch bei den Menschen der klassischen Musik Respekt verschaffen. Er änderte dafür extra den Ansatz für sein Klarinettenspiel in den sogenannten klassischen Ansatz, der sich erheblich von dem des Jazz unterscheidet, und ließ nicht locker bevor nicht die entsprechenden musikalische Ergebnisse zu Verzeichnen waren. So nahm er dann also Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 auf, spielte das Klarinettenquintett KV 581 ein und verschaffte sich tatsächlich den erwünschten Respekt. Es folgten Einspielungen von Strawinski, Debussy oder Ravel. Das ganze ging so weit, dass bekannte klassische Komponisten, also die Vertreter der sogenannten „Ernsten Musik“, wie Paul Hindemith, Aaron Copland, Malcolm Arnold und Béla Bartók ihm Kompositionen widmeten, sprich Stücke für ihn geschrieben haben. Nun war es also geschafft. Er hatte mit Jazz und Swing einen Nummer-1-Hit nach dem nächsten, ging Weltweit auf Tournee und spielte mit den bekannten Orchestern dieser Welt zusammen die großen Konzerte der klassischen Musik. Er sollte bis jetzt einer der ganz wenigen bleiben denen das je gelingen sollte. Benny Goodman wird immer einer der ganz großen bleiben. Einer der wenigen die es Geschafft haben Grenzen zu überschreiten, neue Dinge zu probieren und sich nicht vom vorherrschenden Mainstream von irgendwas abhalten zu lassen. Wenn mehr Menschen so denken würden wie er es getan hat, dann würde vieles bestimmt hübscher sein auf dieser Welt. Goodman hat die Welt jedenfalls ein wenig hübscher gemacht. Mit seiner Musik, und mit seiner Haltung. Benny Goodman starb 1986 in New York. Seine Musik und sein Wirken werden nie sterben.

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Das berühmte Carnegie Hall Konzert bei Spotify

Das Klarinettenkonzert und das Klarinettenquintett von Mozart bei Spotify

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The Dave Brubeck Quartet At Carnegie Hall

Wir schreiben den 22. Februar des Jahres 1963, und vier junge Männer machen sich auf an diesem Abend in der Carnegie Hall eines dieser Konzerte zu geben die es nur einmal gibt. In derselben Halle hatte es Benny Goodman bereits 1938 zu Ruhm und Ehre gebracht, und nun also die Herren BrubeckDesmond,Wright und Morello. Dabei stand das Konzert anfänglich gar nicht mal unter einem so furchtbar gutem Stern. Die Zeitungsmacher in New York streikten, und da es damals noch nicht dieses Internet gab, und somit die Zeitungen so ziemlich die zuverlässigste, und vor allem wichtigste Informationsquelle war, wenn es um Konzertveranstaltungen ging, befürchtete man vor leeren Rängen zu spielen. Eine Befürchtung die sich in keinster Weise bestätigen sollte, denn die Halle war ausverkauft bis auf den letzten Platz. Was an diesem Abend passierte ist das was man unter Musikfreunden gerne als magische Momente bezeichnet. Es war einer dieser Abende an denen nicht nur alles klappt, sondern an denen alles ganz besonders toll klappt, an denen man ganz besonders kreativ ist. Und so musizieren und improvisieren sich unsere vier sympathischen jungen Menschen durch das Programm voller ungerader Takte, dem ein oder anderen Kontrapunkt und auch die Dodekaphonie kommt hier nicht zu kurz. Alles natürlich in kleinen Dosen und hübsch verpackten Melodien, so das die Nerven der geneigten Hörer nicht gar zu sehr strapaziert werden. Wobei man sich schon fragen Darf was sich der Herr Desmond so gedacht hat, als er dieses unfassbare Solo zu seinem ‘Take Five‚ gespielt hat. Das war einer der vielen magischen Momente. Ein solch abgefahrenes Solo über ein 5/4 Takt so elegant dahinzuzaubern, das kann außer Desmond kaum einer, und so wie er schon gar nicht. Eine weitere Kostprobe seines Könnens zeigt er uns in dem Stück ‚Eleven Four‚ in dem er das ganze über einen 11/4 zelebriert (von Herrn Brubeck entsprechend in diesem Konzert honoriert). Apropos ungerade Takte und Soli. Herr Morello, seines Zeichens der Schlagzeuger dieser drolligen Band, spielt in dem Song ‚Castilian Drums‚ ein Solo, welches die ganze Zeit im 5/4 Takt gespielt wird. Das macht dem so schnell auch keiner nach. Phänomenal! Da mag der Herr Wright, das ist der Herr mit der Stehgeige, natürlich nicht nachstehen, und spielt den Bass so souverän wie kaum einer. Immer da wo Schlagzeuger, Pianist und Saxophonist ihren jeweils eigenen Rhythmus gefunden haben, und diese willentlich gegeneinander arbeiten lassen, behält dieser phantastische Mensch die Ruhe, und hat den Rhythmus fest im Griff. Und damit auch das ganze für die lieben Menschen am Bass zu einem besonderen Abend wurde, hat er in dem Stück ‚King for a Day’ eine wunderbare Soloeinlage zu besten gegeben. Der Namensgeber dieser hübschen Ansammlung von Menschen, der Herr Brubeck, spielt ein unfassbares Solo nach dem nächsten. Ein Lehrstück für alle die mal den Kontrapunkt studieren wollen, und sich ein wenig mit der Atonalität des Herren Schönberg auseinander setzen mögen. Ein einmaliger Pianist der seinesgleichen sucht. Dieses Album ist aber nicht nur ein tolles Album für Musiker, die sich an diesem Album sicher erfreuen werden, dieses Album sei auch den Menschen empfohlen die der Jazzmusik gemeinhin nicht so zugetan sind. Man spürt bei dieser Aufnahme, dass die Musiker nur so vor Inspiration strotzen. Sie sind auf dem Höhepunkt ihres Könnens angelangt. Sie wissen, das ist einer dieser Abende der in die Geschichte der Musik eingehen wird als ihr Abend. Das Konzert wurde übrigens komplett übernommen. Es wurde nichts hinzugefügt oder weggenommen. Einem steht somit das komplette Konzerterlebnis, zumindest akustisch konserviert, zur Verfügung. Man merkt auch noch 50 Jahre danach, dass es sich hier um etwas ganz besonderes handelt. Die Qualität der Aufnahme ist übrigens auch sehr gut. Also nur Mut liebe Jazzfans und liebe nicht ganz so Jazzfans. Einfach mal reinhören, sich freuen und staunen über das was diese Menschen da vollbracht haben.

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Benjamin Herman

Heute soll es mal wieder um den Jazz gehen, aber mal nicht um irgendeinen der Klassiker, sondern um einer der jungen, neuen, hübschen, guten, tollen Jazzmusiker. Es soll um Benjamin Herman gehen. Er wurde 1968 in London geboren, ist ein niederländischer Jazz-Saxophonist und Komponist. Er spielt seit seinem 12. Lebensjahr Saxophon, hat das Studium am Konservatorium mit “Cum Laude“ abgeschlossen und spielte schon mit so illustren Menschen wieCandy DulferJan Akkerman oder auch Paul Weller zusammen. Und was er macht, das macht er richtig gut. Auf dem Album The Itch, zusammen mit dem Schlagzeuger Han Bennink, geht’s sehr avantgardistisch zu. Ich mag Avantgarde. Ich weiß aber auch, dass für viele Menschen sowohl der Begriff, als auch die musikalischen Ergüsse dieser Richtung, eher abschreckend wirken. Wenn es dann auch noch um Jazz geht winken die meisten doch eher müde ab. Auf den anderen Alben geht es dann aber doch eher um Cool Jazz. Und der hat es in sich. Das was der junge Mensch aus den Niederlanden da auf’s Vinyl, auf die silberne Scheibe oder auf die MP3-Playlist zaubert, ist enorm. Die HerrnTristanoKonitz und Davis hätten ihre wahre Freude an dem was da musikalisch an die Ohren des geneigten Zuhörers gelangt. Er spielt so Cool und gut, dass man sich an die großen Vorbilder erinnert fühlt ohne das er sie kopiert. Er spielt diesen Jazz so das man ihn wiedererkennt, hört sich dabei aber immer nach Benjamin Herman an. Ein Original, keine Kopie. Unterstützt wird er dabei von grandiosen Mitspielern. Auf seinem Album Heterogeneity vom Pianist Misha Mengelberg und dem Trompeter Bert Joris. Auf The London Session von Bart van Lier und Stan Tracey. Das was dieser Mensch da macht ist mehr als “alt auf neu”. Endlich mal wieder was innovatives aus dem Hause Jazz. Als wenn das alles nicht schon genug wäre, hat er auch noch eine Band in größerer Besetzung gegründet das New Cool Collective. Außer Benjamin Herman spielen hier noch Joost Kroon (Drums), Frank van Dok (Percussion), Willem Friede (Keyboard/Arrangeur), Jos de Haas (Percussion), Leslie Lopez (Bass) und David Rockefeller (Trompete) als feste Mitglieder des Ensembles mit. Die Menschen werden mit einer Mischung aus Latin, Cool, Soul, Ethno und Jazz bespielt. Und diese Band hat Groove, und zwar dermaßen, dass es einen kaum auf den Sitzen hält. Der Beat treibt, und die Bläser rocken, soulen und jazzen, dass es nur so knallt. Eine große Besetzung in Zeiten wie diesen, die dann auch noch modern klingt, das grenzt schon an ein Wunder. Es werden Effekte desDub genauso eingesetzt wie die des FunkScratchen darf hier genauso wenig fehlen wie gesungene, hübsche, kleine Nummern die an die 50’er erinnern. Herrlich! Und als wenn das alles auch schon wieder nicht genug wäre, gibt es ‘New Cool Collective’ auch noch als Big Band. Ja genau, eine Big Band im Jahre 2013, und die spielt nicht Dinge von anno dazumal nach, sondern hat auch wieder eigene Nummern auf Lager.  Zwei Altsaxophone, ZweiTenorsaxophone, ein Baritonsaxophon, ein Basssaxophon, vier Trompeten und vier Posaunen. Des Weiteren eine Gitarre, ein Fender RhodesPercussion,CongasSchlagzeug und Gesang. So. Dass das Mutig ist, und das ein oder andere an Geld kostet, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Wer also Lust hat aktuellen Jazz zu hören und nicht immer nur die alten Klassiker rauf und runter hören mag, der möge sich die Damen und Herren um den guten Herrn Herman anhören, und staunen was da so geht im Jahre 2013. Ich jedenfalls war erstaunt und bin begeistert. Man wird das ein oder andere Album noch mal bei den Quasselstrippen besprechen müssen. 😉

Besonders empfehlenswert (nach Meinung des Autors):

Solo:

The London Session (Spotify) (Amazon)

Campert (Spotify) (Amazon)

Deal (Spotify) (Amazon)

Cafe Solo (Spotify) (Amazon)

New Cool Collective:

Trippin’ (Spotify) (Amazon)

Out of Collective (Spotify) (Amazon)

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Dave Brubeck Quartet

Am Ende des Tages muss man, jedenfalls in meinem Fall, einfach mal über dasDave Brubeck Quartet reden. Eigentlich müsste jeder einzelne Musiker in dieser Band namentlich im Titel des Quartetts erwähnt werden. Der Name Dave Brubeck Quartet ist hier ein wenig irreführend. Es handelt sich hierbei um vier Musiker von denen jeder einzelne schon für sich genommen ein großer ist. Mit Jazzkonzerten in Universitäten an der Westküste haben Desmond und Brubeck zunächst für Aufsehen gesorgt. Jazz at Oberlin war denn auch das erste Album was nachhaltig für Aufmerksamkeit sorgte. Nachdem es anfänglich mehrere Umbesetzungen gab, war ab 1958 die klassische Besetzung gefunden. Das sogenannte „Classic Quartet“Dave BrubeckPaul DesmondJoe Morello undEugene Wright waren die Protagonisten die sich nunmehr aufmachten Musikgeschichte zu schreiben. Unter der Ägide von Brubeck und Desmond wurde musiziert und revolutioniert was das Zeug hält. Die Band spielte das Album Newport 1958 – Brubeck plays Ellington ein. Ein Live-Album auf dem ausschließlich Duke Ellington Stücke zu hören sind, mit Minutenlangen Soli der einzelnen Mitglieder. Im Jahr 1959 veröffentlichte das Quartett dann das AlbumGone with the Wind was schon erahnen lässt wo es hingehen sollte. Im selben Jahr veröffentlichten die vier das Album Time Out. Eines der Alben denen ich die Zehn vergeben würde. Das besondere an diesem Album ist, dass es zum einen nur Originalkompositionen der Band enthält. Die andere Besonderheit ist, dass fasst keines der Stücke im 4/4-Takt ist. Ob dieses Album trotz oder gerade wegen dieser bis dahin außergewöhnlichen Takte Platinstatus erreichte, das weiß ich nicht. Man darf getrost von “trotz” ausgehen. Das Album enthielt mit dem Titel „Take Five“ die erfolgreichste Jazz-Single aller Zeiten, und man fand sich plötzlich in den Billboard Charts wieder. Diese Komposition, welche Desmond, laut eigener Aussage, nur geschrieben hat um das Geld wieder reinzubekommen was er beim Spielautomaten verkloppt hatte, wurde zum Inbegriff dieses Quartetts. Es folgten Alben wie Time Further Out,Countdown – Time in Outer Space und Time Changesdie es schafften den Erfolg der Band zu zementieren. Mit Jazz Impressions of Japan stieß man nochmals in bis dahin nicht gekannte Sphären vor. Bis zu Auflösung im Jahre 1967 machte man nicht nur mit ungewöhnlichen Soli, neuen Taktarten und allerlei progressiven Ideen auf sich aufmerksam, sondern auch mit hübscher moderner Kunst auf dem ein oder anderen Plattencover (wer hätte gedacht das ich das Wort ‘Plattencover’ in meinem Leben noch mal unterbringen konnte). Fast alles was man erreichen kann haben diese vier erreicht. Sogar mit einem gewissen Herrn Bernstein machte man ein Album. Nach der Auflösung traf sich das Quartett nur noch einmal zum 25-jährigen Jubiläum. Danach begannen alle mehr oder weniger erfolgreich, aber nicht minder toll, an ihrer Solokarriere zu basteln. Zwischendrin lehrten die einen Schlagzeug, die anderen pausierten und wiederum andere versuchten neue Quartette zusammenzustellen. Alle waren in dem was sie danach gemacht haben immer noch innovativ, und nach neuen Dingen suchend. Am erfolgreichsten waren dabei Dave Brubeck und Paul Desmond. Brubeck machte mit allen möglichen Besetzungen weiter seine Musik, und war damit recht erfolgreich. Er bekam Preise und Auszeichnungen noch und nöcher. Den Grammy Award für sein Lebenswerk, einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, die Ehrendoktorwürde von etlichen Universitäten und 1994 dieNational Medal of Arts. Er spielte mit Gerry Mulligan, Lee KonitzWynton Marsalis und etlichen anderen Größen der Musik Stücke ein. Paul Desmond spielte ebenfalls zwei Alben mit Gerry Mulligan ein, u.a. das großartige Two of a Mind. Er war mit Jim Hall und Chet Baker im Studio. Dabei kam ein phantastisches Album heraus, nämlich Concierto. Auf diesem befinden sich u.a eine Jazz Version des Concierto de Aranjuez von Rodrigo, welches beeindruckend schöne Soli der Herrn Desmond, Baker und Hall beinhaltet. Schließlich wurde Paul Desmond 1977 in die Jazz Hall of Fame aufgenommen. Einmal fanden Desmond und Brubeck doch noch musikalisch zusammen. Im Jahre 1975 wurde das Album The Duets aufgenommen. Auf diesem Album sind allein Brubeck und Desmond zu hören. Ein wunderschönes Album. Hier kann man das Genie der beiden noch einmal in vollen Zügen genießen. Eine unfassbare Band. Ein unfassbares Quartett. Unglaubliche Musiker. Eigentlich möchte man (fast) alles von den vieren hören. Hier die, meiner Meinung nach, wichtigsten, schönsten und tollsten Aufnahmen, die, nach Meinung des Autors, zur Grundausstattung eines jeden Jazz Fans gehören sollte. 🙂

Eine Spotify-Playlist des Autors mit allem was seiner Meinung nach schick ist, gibt’s hier -> Desmond/Brubeck

Jazz at Oberlin – (Spotify) – (Amazon)

Newport 1958 – Brubeck plays Ellington – (Spotify) – (Amazon)

Gone with the Wind – (Spotify) – (Amazon)

Time Out (Spotify) – (Amazon)

Time Further Out (Spotify) – (Amazon)

Countdown – Time in Outer Space – (Spotify) – (Amazon)

Time Changes (Spotify) – (Amazon)

Impressions of Japan (Spotify) – (Amazon)

Two of a Mind (Spotify) – (Amazon)

Concierto (Spotify) – (Amazon)

The Duets (Spotify) – (Amazon)